
Geschichte
Rumpelstilzchen
15 Min.7-9 Jahre
Das ist der Anfang der Geschichte. Die ganze Geschichte läuft in der Sonacast-App.
Die Geschichte
Ein magisches Geheimnis
Stell dir vor, du bist in einem großen Schloss, umgeben von glitzerndem Gold. Aber wie kommt all dieses Gold dorthin? Was, wenn jemand behauptet, Stroh zu glänzendem Gold spinnen zu können? Ein König hört davon, und eine arme Müllerstochter steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Doch dann erscheint ein kleines, seltsames Männchen, das ihr helfen will – aber zu welchem Preis? Heute tauchen wir ein in eine magische Geschichte voller Geheimnisse und einem ganz besonderen Namen. Bist du bereit für das Abenteuer von Rumpelstilzchen? Dann spitze deine Ohren und lass dich verzaubern!
Der Müller, der König und das Stroh
Also, unsere Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf, wo ein Müller lebte. Dieser Müller war ein bisschen angeberisch, weißt du? Eines Tages prahlte er vor einem König, der gerade vorbeikam: „Meine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen!“ Der König, der sehr gierig war und alles Gold der Welt haben wollte, wurde natürlich ganz neugierig. Er ließ die Müllerstochter sofort zu sich holen. Er führte sie in ein großes Zimmer, das vom Boden bis zur Decke voller Stroh war. „Wenn du diese Nacht nicht das ganze Stroh zu Gold spinnst, dann musst du sterben“, sagte der König streng. Die arme Müllerstochter saß ganz allein in diesem riesigen Raum. Sie hatte ja keine Ahnung, wie man Stroh zu Gold spinnt! Sie weinte bitterlich, denn sie wusste nicht, was sie tun sollte.
Der kleine Mann und der erste Handel
Die arme Müllerstochter saß da und schluchzte. Ihre Tränen fielen auf das gelbe Stroh, das sich hoch um sie herum stapelte. Plötzlich, da ging die Tür auf – aber niemand kam herein! Und dann – husch! – stand ein ganz kleines Männlein vor ihr. Es hatte ein lustiges Gesicht, mit einem spitzen Hut und glitzernden Augen. „Guten Abend, Müllerstochterchen“, sagte das Männlein mit einer piepsigen Stimme. „Warum weinst du denn so sehr?“ „Ach“, sagte sie, „ich muss dieses ganze Stroh zu Gold spinnen, sonst tötet der König mich morgen früh. Aber ich weiß doch gar nicht, wie das geht!“ Das Männlein rieb sich die Hände. „Was gibst du mir, wenn ich es für dich spinne?“ fragte es. Die Müllerstochter überlegte. Sie hatte ja nichts. Nur ihre wunderschöne Halskette, die sie immer trug. Sie war aus bunten Perlen und glitzerte so schön! „Ich gebe dir meine Halskette“, sagte sie. Das Männlein nickte eifrig. „Einverstanden! Dann setz dich mal auf den Boden und schau zu.“ Es setzte sich an das Spinnrad. Und dann – schwirr, schwirr, schwirr! – ging das Rad los. Die Finger des Männleins flogen nur so über das Stroh. Und siehe da! Jeder Faden, der vom Rad kam, war kein Stroh mehr. Nein! Es war das reinste, glitzernde Gold! Ein Spulenknäuel nach dem anderen füllte sich mit goldenem Faden. Die Müllerstochter konnte es kaum glauben. Das ganze Zimmer begann zu leuchten, so viel Gold war da! Als das letzte Stroh gesponnen war und der letzte Goldfaden glänzte, da stand das kleine Männlein auf, sagte kein Wort und – war es weg, so schnell wie es gekommen war. Die Müllerstochter atmete tief durch. Sie war gerettet! Für diese Nacht zumindest.
Die zweite und dritte Nacht: Ring und Kind
Der König kam am nächsten Morgen herein, seine Augen leuchteten. Er sah das glänzende Gold und war begeistert! Aber wusstet ihr, liebe Kinder, dass manche Könige einfach niemals genug haben? Dieser König war so einer. Er brachte die Müllerstochter in ein noch viel größeres Zimmer. Dieses Zimmer war randvoll mit Stroh, viel, viel mehr als in der ersten Nacht. „Das spinnst du mir auch zu Gold“, sagte er, „oder du musst sterben!“ Dann schloss er die Tür ab und ließ sie wieder allein. Die arme Müllerstochter! Sie setzte sich wieder hin und weinte. „Oh weh, oh weh“, schluchzte sie. „Was soll ich nur tun? So viel Stroh! Und ich habe nichts mehr, um es zu bezahlen!“ Da ging wieder die Tür auf, und herein kam – wer wohl? Ja, genau! Das kleine, lustige Männlein. „Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“ fragte es mit seiner piepsigen Stimme. Die Müllerstochter überlegte. Sie hatte keine Kette mehr. Aber an ihrem Finger steckte ein schöner, glänzender Ring, den ihre Mutter ihr gegeben hatte. Schweren Herzens zog sie ihn ab. „Ich gebe dir meinen Ring“, sagte sie. Das Männlein nahm den Ring, setzte sich an das Spinnrad – – und schwuppdiwupp, begann es zu schnurren. Die Spule füllte sich im Nu, und bald lagen wieder Berge von goldenen Fäden da. Als alles fertig war, nahm das Männlein den Ring, nickte kurz und – verschwand es wieder durch die Tür. Am nächsten Morgen kam der König. Er staunte nicht schlecht, als er noch mehr glänzendes Gold sah. Aber auch dieses Mal war er nicht ganz zufrieden. Er war einfach zu gierig! „Ein letztes Mal“, sagte er zur Müllerstochter, „bringe ich dich in ein Zimmer.“ Er führte sie in das größte Zimmer, das es in seinem ganzen Schloss gab. Es war vom Boden bis zur Decke mit Stroh gefüllt! „Wenn du dies auch noch spinnst“, sprach der König feierlich, „dann sollst du meine Königin werden und für immer in meinem Schloss leben! Aber wenn nicht, dann stirbst du!“ Dann schloss er die Tür und ging. Die Müllerstochter war ganz verzweifelt. Sie hatte nichts, gar nichts mehr, das sie geben konnte. Sie saß da und wusste keinen Rat. Sie dachte an ihre Familie, an ihr Zuhause und daran, dass sie nun sterben musste. Große, dicke Tränen liefen über ihr Gesicht. Und wieder, wie aus dem Nichts, sprang das kleine Männlein herein. „Was gibst du mir, wenn ich dir diesmal helfe?“ fragte es. „Ich habe nichts mehr!“, rief die Müllerstochter. „Ich habe keine Kette, keinen Ring, nichts mehr, was ich dir geben könnte!“ Das Männlein rieb sich die Hände. „So versprichst du mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind?“ Die Müllerstochter schluckte. Ein Kind? Das war noch so weit weg! Sie dachte nur daran, am Leben zu bleiben. Sie wollte nicht sterben. Sie dachte, vielleicht würde das Männlein es vergessen. Oder vielleicht würde sie ja gar kein Kind bekommen. In ihrer großen Not sagte sie: „Ja! Ich verspreche es dir!“ Das Männlein lachte leise, setzte sich ans Rad, und – rrratsch, rrratsch, rrratsch – es sponn das Stroh so schnell, wie es noch nie gesponnen hatte. Bis zum Morgen war die riesige Kammer leer von Stroh und voll von glänzendem Gold. Als der König kam und sah, was geschehen war, da war er überglücklich! Er nahm die Müllerstochter bei der Hand und sagte: „Du sollst meine Königin sein!“ Und so wurde die arme Müllerstochter die Königin des Landes. Ein Jahr später, vielleicht auch zwei, wurden die Königin und der König Eltern eines wunderschönen Kindes. Es war ein süßes, kleines Baby, das die Königin über alles liebte. Sie hatte ihr Versprechen an das Männlein ganz vergessen. Doch eines Tages, als sie gemütlich in ihren Gemächern saß und ihr Baby wiegte, öffnete sich die Tür. Und wer stand da? Das kleine Männlein! Es grinste breit. „Nun gib mir, was du versprochen hast“, sagte es mit seiner piepsigen Stimme. „Ich bin gekommen, um mein Kind zu holen!“
Das Geheimnis und der Name
Die junge Königin, oh, sie war zutiefst erschrocken. Sie hatte vergessen, was sie dem kleinen Mann versprochen hatte! Ihr kleines Baby, so süß und unschuldig, sollte ihr weggenommen werden? Nein, das durfte nicht geschehen! Sie fiel vor dem kleinen Männlein auf die Knie und begann zu weinen. Bitterlich weinte sie, flehte und bettelte, dass er ihr das Kind lassen möge. Sie bot ihm all ihren Reichtum an: goldene Kelche, glitzernde Juwelen, sogar ihr königliches Zepter! Alles wollte sie ihm geben, wenn er nur ihr Baby nicht mitnehmen würde. Aber das kleine Männlein schüttelte nur den Kopf. „Nein“, sagte es mit seiner scharfen Stimme. „Etwas Lebendiges ist mir lieber als all die Schätze der Welt.“ Es war hart und unerbittlich. Die Königin wurde noch trauriger, ihre Tränen flossen wie kleine Bäche über ihre Wangen. Sie wusste nicht mehr, was sie tun sollte. Da bekam das Männlein vielleicht ein kleines bisschen Mitleid, vielleicht wollte es einfach nur ein Spiel spielen. „Ich will dir eine letzte Chance geben“, sagte es, seine Augen funkelten. „Wenn du meinen Namen errätst, dann darfst du dein Kind behalten.“ Die Königin atmete tief ein. Eine Chance! Das war besser als nichts! „Wie ist dein Name?“, fragte sie eifrig. „Das sage ich dir natürlich nicht!“, kicherte das Männlein. „Du musst ihn selbst herausfinden. Du hast drei Tage Zeit. Wenn du es bis dahin nicht weißt, dann gehört das Kind mir.“ Mit diesen Worten huschte es so schnell davon, wie es gekommen war, und verschwand einfach in der Luft. Die Königin dachte Tag und Nacht nach. Sie schickte ihre Diener in alle Winkel des Königreichs. „Fragt nach allen Namen, die ihr nur finden könnt!“, befahl sie. „Die seltsamsten, die lustigsten, die außergewöhnlichsten!“ Sie selbst saß im Schloss und überlegte. War es vielleicht Kunz? Oder Heinz? Hieß er Rippenbiest? Oder vielleicht Bocksdorn? Sie versuchte es mit Hunderten von Namen, die sie kannte, oder die ihr einfielen. Am ersten Tag kam das Männlein zurück. „Na, Königin, hast du meinen Namen schon erraten?“, fragte es neugierig. Die Königin hatte eine lange Liste vorbereitet. „Ist dein Name etwa Melchior? Oder Balthasar? Vielleicht Kaspar?“ Sie zählte viele Namen auf, die ihre Diener gesammelt hatten. Aber bei jedem Namen schüttelte das Männlein den Kopf und grinste. „Das ist nicht mein Name“, sagte es immer wieder. Am Ende des Tages war die Königin noch verzweifelter. Am zweiten Tag war die Königin noch trauriger. Sie hatte noch mehr Namen gesammelt. „Ist dein Name vielleicht Kurzrippe? Oder Knieholz? Oder ist es doch Kohlkopf?“ Doch wieder schüttelte das Männlein den Kopf und lachte lauthals. „Nein, nein, nein! Das ist nicht mein Name!“ Es tanzte vor der Königin herum und sang ein kleines Spottlied: „Heut back ich, heut brau ich, heut hol ich der Königin ihr Kind! Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Dann huschte es wieder davon. Die Königin war am Boden zerstört. Sie hatte nur noch einen Tag. Nur noch eine letzte Chance! Sie konnte kaum schlafen. Aber dann geschah etwas Wundervolles! Einer ihrer treuesten Diener, ein alter, weiser Mann, hatte nicht nur in den Dörfern nach Namen gefragt. Er war tief in den Wald gegangen, dorthin, wo die Sonne kaum durch die dichten Bäume schien. Er hatte gehört, dass dort manchmal seltsame Dinge geschahen. Als er tiefer und tiefer in den Wald vordrang, kam er an einen kleinen Berg. Und was sah er dort? Er sah ein kleines Feuer brennen! Und um das Feuer herum tanzte ein kleines, lustiges Männlein! Es hüpfte auf einem Bein, zog komische Grimassen und sang ein Lied. Der Diener versteckte sich hinter einem dicken Baumstamm und lauschte. Er lauschte ganz genau. Und das Männlein sang: „Erst will ich backen, dann will ich brauen, Die Königin wird Augen machen. Bald wird ihr liebes Kindlein mein, Wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Der Diener konnte seinen Ohren kaum trauen! Er hatte den Namen! Den Namen des kleinen Mannes! Er wartete, bis das Männlein davongehüpft war, und rannte dann so schnell er konnte zurück zum Schloss. Er kam keuchend bei der Königin an. „Eure Majestät! Eure Majestät!“, rief er. „Ich habe ihn! Ich habe den Namen gefunden!“ Die Königin schaute ihn mit großen Augen an. „Wirklich? Bist du dir sicher? Wie heißt er denn?“ „Er heißt Rumpelstilzchen!“, flüsterte der Diener. Ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht der Königin aus. Ein riesengroßes Lächeln! Sie umarmte den alten Diener und dankte ihm von Herzen. Sie hatte ihren Baby noch nicht verloren! Der dritte Tag brach an. Die Königin wartete. Sie war nicht mehr traurig. Sie war bereit! Und tatsächlich, pünktlich wie immer, huschte das kleine Männlein herein. Seine Augen funkelten vor Schadenfreude. „Na, Königin? Hast du meinen Namen immer noch nicht erraten?“ Es dachte, es hätte schon gewonnen. Es war sich so sicher! Die Königin tat so, als ob sie noch überlegen würde. „Ist dein Name vielleicht Ruprecht? Oder vielleicht Heinrich?“ Das Männlein lachte. „Nein, nein, nein! Das ist nicht mein Name!“ Die Königin nahm noch einmal Anlauf. „Vielleicht ist dein Name ja Rumpelstilzchen?“ In diesem Moment geschah etwas Unglaubliches! Das kleine Männlein schrie auf, ein lautes, wütendes Geschrei! Seine Augen wurden riesengroß! „Das hat dir der Teufel gesagt! Das hat dir der Teufel gesagt!“, brüllte es. Es stampfte wütend mit den Füßen auf den Boden. Es war so außer sich vor Zorn, dass es sich in den Boden bohrte. Und es verschwand. Einfach so. Für immer. Die Königin war überglücklich. Sie hielt ihr Baby fest in ihren Armen und wusste, dass sie es für immer behalten durfte. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Eine wunderbare Geschichte, nicht wahr?
Verabschiedung
Vielen Dank, dass ihr mit uns in die Welt von Rumpelstilzchen eingetaucht seid. Es war ein zauberhaftes Abenteuer, nicht wahr? Wenn ihr uns etwas erzählen möchtet oder eine Idee für eine neue Geschichte habt, lasst es Sonacasts wissen! Eure Gedanken sind uns wichtig. Und wer weiß, vielleicht denkt ihr euch jetzt selbst eine ganz eigene, wunderbare Geschichte aus? Oder wir treffen uns bald wieder bei einem neuen Hörabenteuer. Bis dahin wünschen wir euch alles Liebe und ganz viele süße Träume.






