SONACAST
Jetzt bei Google PlayLaden im App Store

Geschichte

Pu der Bär

30 Min.7-9 Jahre

Den Anfang anhören

Das ist der Anfang der Geschichte. Die ganze Geschichte läuft in der Sonacast-App.

Die Geschichte

Einleitung

Stell dir vor, es gibt einen Wald, in dem die Tiere sprechen können, in dem jeder Tag ein kleines Abenteuer ist und Honig das Allerwichtigste auf der Welt ist. Willkommen im Hundertmorgenwald! Hier lebt Pu der Bär, ein kuscheliger Freund mit einem sehr großen Herzen und einem noch größeren Appetit auf Süßes. Begleite uns, wenn wir Christopher Robin und seine liebenswerten Spielzeuge Pu, Ferkel, I-Aah und all ihre Freunde auf spannenden Reisen besuchen. Von Honigdiebstahl bis zu verirrten Schwänzen, jede Geschichte ist voller Lachen und Freundschaft. Mach es dir gemütlich, denn es wird wunderbar!

Pu und die Honiglust

Eines strahlenden Morgens erwachte Pu der Bär mit einem grollenden Gefühl in seinem Bäuchlein. Er dachte an all die leckeren Dinge, aber am allermeisten dachte er an Honig. Honig war Puhs absolute Lieblingsspeise! Er schaute in seinen Schrank, dann in einen anderen, aber oje! Sie waren leer. Kein einziger Topf Honig war zu finden. Pu seufzte. Was sollte ein Bär nur tun, wenn seine Honigtöpfe alle waren? Da hörte er ein kleines Summen, ein ganz zartes Summen. Es kam von draußen, aus Richtung des großen Eichenbaums. „Bienen!“, dachte Pu mit leuchtenden Augen. „Wo Bienen sind, da gibt es auch Honig!“ Er nahm seinen großen, leeren Topf und stapfte los, dem Summen nach. Ob er wohl welchen finden würde?

Pu steckt fest

Pu stapfte durch den Hundertmorgenwald, seine Nase der süßen Verheißung des Honigs folgend. Es dauerte nicht lange, da sah er ihn: einen riesigen, alten Baum mit einem kleinen Loch am Stamm. Und aus diesem Loch summte es ganz deutlich! Bienen! Das musste das Zuhause des Honigs sein! Pu schob seine Pfote in das Loch, und ja! Da war er, der köstlichste Honig, den er je gerochen hatte. Er tauchte seine Pfote hinein, dann seine andere, und noch eine, bis sein Honigtopf ganz voll war. Aber warum sollte er nur den Topf füllen? Der Honig schmeckte SO gut! Pu beschloss, sich ein kleines bisschen direkt aus dem Baum zu gönnen. Und noch ein bisschen. Und noch ein kleines bisschen mehr! Er löffelte und schleckte, bis sein Bauch rund und prall war, wie ein weicher, flauschiger Ball. Als Pu sich sattgegessen hatte und glücklich beschloss, nach Hause zu gehen, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Er wollte aus dem Loch kriechen, aber es ging nicht! Sein Bauch war viel zu dick geworden! Er drückte und schob, grunzte und knurrte, doch er steckte fest, wie ein Korken in einer Flasche! Da kam Christopher Robin, der seinen Freund suchen wollte, am Baum vorbei. „Pu, was machst du denn da? “ fragte er, als er nur Pus Hinterteil aus dem Baum ragen sah. „Ich stecke fest“, murmelte Pu, ein wenig verlegen. „Ich habe zu viel Honig gegessen, glaube ich.“ Christopher Robin versuchte zu ziehen, aber Pu bewegte sich keinen Zentimeter. Er schüttelte den Kopf. „Keine Sorge, alter Bär“, sagte Christopher Robin schließlich. „Wir finden eine Lösung. Aber du musst wohl eine Weile warten, bis du wieder dünn genug bist. Ich werde dir jeden Tag vorlesen und Gesellschaft leisten.“ Pu seufzte. Das bedeutete, er würde ganz lange keinen Honig mehr essen dürfen. Es war ein wenig traurig, aber auch spannend, so mitten im Baum zu stecken. Seine Freunde würden sicher bald vorbeikommen, um zu sehen, was los war. Und so wartete Pu geduldig, mit seinem Kopf im Baum und seinem Hinterteil draußen, darauf, wieder dünn zu werden.

Ein Schwanz für I-Aah

Während Pu so in Kaninchens Tür feststeckte und darauf wartete, dass er wieder dünn wurde, passierte im Hundertmorgenwald noch etwas anderes. Etwas, das I-Aah sehr traurig machte. I-Aah, der alte, graue Esel, stand meistens ein wenig traurig herum. Er mochte es, wenn die Wolken dunkel waren und es regnete, und er war immer ein bisschen nachdenklich. Aber heute war er noch trauriger als sonst. Christopher Robin fand ihn an einem besonders feuchten Fleck im Wald stehen. „Was ist denn los, I-Aah?“, fragte Christopher Robin, der sofort merkte, dass etwas nicht stimmte. I-Aah seufzte tief. „Es ist mein Schwanz, Christopher Robin. Er ist weg. Einfach weg.“ Christopher Robin sah genauer hin. Tatsächlich! Wo I-Aahs Schwanz sein sollte, war nur ein kleines, leeres Loch. „Hast du ihn verloren?“, fragte Christopher Robin. „Ich glaube schon“, murmelte I-Aah. „Ich habe ihn gestern Abend noch gehabt, aber heute Morgen war er fort. Ich habe schon überall gesucht. Im Fluss. Unter den Büschen. Sogar in den Brennnesseln.“ Ein Esel ohne Schwanz! Das war ja schrecklich! Wie sollte I-Aah da noch fröhlich mit dem Schwanz wedeln können, wenn er mal etwas weniger traurig war? Christopher Robin beschloss sofort, I-Aah zu helfen. „Keine Sorge, I-Aah“, sagte er mutig. „Wir werden deinen Schwanz finden. Pu und ich helfen dir.“ Auch Pu, der inzwischen ein kleines bisschen dünner geworden war und nun gerade so aus Kaninchens Tür herauspasste, war bereit zu helfen. Er hatte zwar immer noch ein kleines Bäuchlein, aber er konnte sich wieder bewegen. „Ein Schwanz für I-Aah“, brummte Pu. „Das klingt wie eine sehr wichtige Suche.“ Also machten sich Christopher Robin, Pu und der immer noch sehr traurige I-Aah auf die Suche. Sie suchten am Flussufer, wo I-Aah gerne stand. Sie suchten zwischen den großen Farnen und unter den alten Eichen. Sie blickten unter Steine und sogar in hohle Baumstämme. Aber kein Schwanz war zu sehen. Pu, der ja immer an Honig dachte, überlegte: „Vielleicht hat ihn jemand gefunden und für etwas anderes benutzt? Für ein weiches Kissen? Oder einen Pinsel?“ I-Aah schüttelte traurig den Kopf. „Wer würde meinen Schwanz wollen? Er ist doch nur ein alter, grauer Schwanz.“ Sie suchten und suchten, bis Christopher Robin eine Idee hatte. „Warten wir mal!“, rief er. „Ich habe I-Aahs Schwanz schon einmal woanders gesehen!“ I-Aah hob ein Ohr. „Wo denn, Christopher Robin? Wo?“ „Bei der Eule!“, sagte Christopher Robin. „Er hing an ihrer Tür, neben der Klingel!“ Die Eule, die ja sehr weise war, aber manchmal auch ein bisschen vergesslich, hatte den Schwanz tatsächlich gefunden. Sie hatte ihn für einen schönen Türklopfer gehalten und an ihre Haustür genagelt! Als sie zu Eules Haus kamen, sahen sie ihn sofort. Da hing er, I-Aahs Schwanz, schön sauber und ordentlich, direkt neben Eules Tür. „Mein Schwanz!“, rief I-Aah, so laut er konnte. Er vergaß fast seine Traurigkeit. Eule kam herausgeflogen und blinzelte. „Ach, das ist ja dein Schwanz, I-Aah? Ich dachte, es wäre ein wunderschöner, dekorativer Türklopfer, der so schön schwingt, wenn der Wind weht.“ Christopher Robin nahm den Schwanz vorsichtig von der Tür ab. Er hatte einen kleinen Reißnagel dabei. Ganz vorsichtig steckte er I-Aahs Schwanz wieder an die richtige Stelle. „Na bitte!“, sagte Christopher Robin stolz. „Jetzt hast du deinen Schwanz wieder, I-Aah!“ I-Aah drehte sich um und sah seinen Schwanz. Er wackelte ein bisschen damit. Es war nicht das wildeste Schwanzwedeln, das man je gesehen hatte, aber für I-Aah war es ein Zeichen großer Freude. „Danke, Christopher Robin“, sagte I-Aah leise. „Danke, Pu. Das ist sehr nett von euch.“ Er fühlte sich schon viel besser. Ein Esel ohne Schwanz war einfach nicht richtig. Aber ein Esel mit Schwanz... das war ein Esel, der vielleicht sogar ein kleines bisschen glücklich sein konnte. Und so zogen sie weiter durch den Hundertmorgenwald. Pu, ein bisschen dünner und glücklich über den gefundenen Schwanz, Christopher Robin, stolz auf seine Hilfe, und I-Aah, mit seinem Schwanz wieder fest an Ort und Stelle, bereit für neue, wenn auch leicht melancholische, Abenteuer.

Kanga und Ruh kommen in den Wald

So vergingen die Tage im Hundertmorgenwald. Pu der Bär genoss seinen Honig, Christopher Robin spielte mit seinen Freunden, und I-Aah, nun ja, I-Aah verlor seinen Schwanz nicht mehr ganz so oft. Alles war so, wie es immer war, friedlich und voller kleiner Abenteuer. Doch eines Tages änderte sich alles. Es war ein strahlend schöner Morgen, die Sonne schien durch die Blätter, und die Vögel sangen ihre fröhlichsten Lieder. Christopher Robin saß mit Pu der Bär auf einer Baumwurzel, als sie etwas Ungewöhnliches hörten. Ein Geräusch, das sie noch nie zuvor im Wald gehört hatten. Ein sanftes Hüpfen und ein leises Rascheln. Und dann, aus dem Gebüsch, traten sie hervor. Kanga und Ruh. Kanga war ein großes, freundlich aussehendes Tier mit einem langen Schwanz und ganz weichem Fell. Aber das Erstaunlichste war, dass sie ein kleines Baby in ihrem Beutel trug! Das war Ruh. Ruh war noch ganz klein und neugierig, mit großen Augen, die alles um sich herum bestaunten. Sie waren gerade erst in den Hundertmorgenwald gezogen. Die anderen Tiere hatten so etwas noch nie gesehen. Ein Tier, das sein Baby in einer Bauchtasche trug! Kaninchen, der immer alles genau beobachtete und manchmal ein bisschen ängstlich war, rümpfte die Nase. „Ein Känguru? Hier?“, murmelte er. „Und ein Baby! Das ist ja… unerhört!“ Kaninchen war ein Tier, das Ordnung und Gewohnheit liebte. Und neue Bewohner, besonders so ungewöhnliche, brachten seine kleine Welt durcheinander. Er berief sofort eine Versammlung ein. Pu, Ferkel, I-Aah und sogar Eule versammelten sich. Christopher Robin lauschte aufmerksam. „Wir müssen etwas tun“, begann Kaninchen, seine Nase zuckte aufgeregt. „Sie könnten… sie könnten hierbleiben! Und dann… dann ist nichts mehr wie zuvor!“ Ferkel zitterte ein bisschen. „Aber… aber sie sehen doch ganz nett aus, Kaninchen“, piepste es. „Ruh ist so klein und süß!“ „Süß!“, schnaubte Kaninchen. „Du verstehst das nicht, Ferkel. Wir müssen sie dazu bringen, wegzugehen! Oder zumindest… zumindest müssen wir ihnen zeigen, wer hier das Sagen hat!“ Kaninchen dachte und dachte. Sein Kopf rauchte förmlich vor lauter Ideen, die alle ein bisschen schlauer sein sollten als die letzte. Und dann hatte er einen wirklich genialen Plan! Zumindest fand er das. „Wir werden Ruh verstecken!“, verkündete Kaninchen stolz. „Wenn Kanga ihr Baby nicht finden kann, wird sie denken, der Wald ist kein sicherer Ort für sie und Ruh, und dann wird sie wegziehen!“ Pu der Bär kratzte sich am Kopf. „Aber… aber das ist doch gemein, Kaninchen“, brummte er. „Und wo sollen wir Ruh verstecken? Und was ist, wenn Kanga traurig wird?“ „Unsinn, Pu!“, sagte Kaninchen. „Das ist für das Wohl des Waldes! Und ich habe schon einen Platz ausgesucht. Wir verstecken ihn… in meinem Haus! Niemand wird ihn dort suchen!“ Ferkel war immer noch nicht ganz überzeugt. „Aber Kaninchen, ich… ich mag Ruh. Ich möchte nicht, dass er traurig ist.“ Kaninchen legte einen Arm um Ferkels Schulter. „Keine Sorge, Ferkel. Wir passen gut auf ihn auf. Und dann kommt er zurück zu seiner Mama, wenn sie versprochen hat, dass sie uns nicht stört.“ Das klang für Kaninchen sehr logisch. Pu war immer noch ein bisschen unsicher, aber Kaninchen war so überzeugt von seinem Plan, dass Pu dachte, vielleicht wüsste Kaninchen ja, was er tat. Pu hatte meistens Hunger und nicht so viel Lust, über komplizierte Pläne nachzudenken. Er dachte lieber an Honig. Christopher Robin hörte sich das alles an und schüttelte nur leicht den Kopf. Er wusste, dass Kaninchens Pläne manchmal… nun ja, manchmal nicht so ganz aufgingen. Also begannen sie ihren Plan auszuführen. Kaninchen flüsterte Pu und Ferkel Anweisungen zu. „Wenn Kanga und Ruh abgelenkt sind, schnappt sich Pu den kleinen Ruh und versteckt ihn in meinem Bau. Ferkel, du musst Kanga ablenken! Frag sie nach Blumen oder so etwas!“ Ferkel schluckte schwer. Kanga war so groß! Aber Ferkel wollte Kaninchen nicht enttäuschen. Sie warteten auf den richtigen Moment. Kanga saß mit Ruh auf einer sonnigen Lichtung und zeigte ihm Schmetterlinge. Ruh kicherte und versuchte, nach den bunten Flügeln zu greifen. Pu und Ferkel schlichen sich langsam näher. Pu der Bär sollte Ruh aus dem Beutel nehmen, während Ferkel Kanga ablenkte. Ferkel nahm all seinen Mut zusammen. „Ähm… Entschuldigen Sie bitte, Frau Kanga“, piepste Ferkel, „wissen Sie vielleicht, wo die schönsten Glockenblumen blühen?“ Kanga drehte sich freundlich um. „Oh, hallo, Ferkelchen. Ja, die schönsten Glockenblumen wachsen ein Stück weiter im Westen, bei den großen Eichen.“ Während Kanga mit Ferkel sprach, schlich sich Pu ganz vorsichtig an. Er blickte in Kangas Beutel. Dort saß der kleine Ruh, der gerade die Augen zu den Schmetterlingen aufgerissen hatte. Pu streckte seine Tatze aus. Und genau in diesem Moment… genau in diesem Moment passierte etwas sehr Überraschendes. Etwas, das Kaninchen in seinem schlauen Plan überhaupt nicht bedacht hatte!

Ein Bad für Ruh und ein Plan von Kaninchen

Kanga lächelte geheimnisvoll. Sie hatte Pu und die anderen nicht bemerkt, oder tat zumindest so. Mit ruhigen Schritten ging sie heimwärts, ihr Beutel hüpfte sanft. Und darin? Ferkel! Kaninchen hatte ihn so schnell hineingesteckt, dass Kanga es im ersten Moment nicht bemerkt haben konnte. Oder vielleicht doch? Das war die große Frage! Ferkel, noch ganz überrascht, spürte, wie sie gingen. Erst als sie vor Kangas Haus anhielten, einem gemütlichen Bau, begann er sich unwohl zu fühlen. Er wollte doch gar nicht bei Kanga baden! Er wollte nach Hause! Kanga holte Ferkel sanft aus ihrem Beutel. „Na, mein kleiner Ruh“, sagte sie warm, „jetzt ist es Zeit für dein Bad.“ Ferkel zitterte. Ein Bad? Mit Seife? Er schluckte und versuchte, sich freizustrampeln, doch Kanga hielt ihn sanft fest. Sie trug ihn ins Haus, wo ein dampfendes Becken stand. Der Duft von Seife, nach Zitrone und Blumen, lag in der Luft. Es war ein ganz neuer Geruch! Kanga setzte ihn vorsichtig ins warme Wasser. „Oh!“ rief Ferkel überrascht. Es war nicht kalt, sondern wunderbar warm und angenehm! Kanga wusch ihn sanft mit einem Schwamm. „Wir müssen die kleinen Pfötchen sauber machen“, murmelte sie, „und die Öhrchen, damit sie gut hören können.“ Ferkel war so erstaunt über das warme Wasser und die Berührungen, dass er fast vergessen hatte, dass er gar nicht Ruh war. Er genoss es sogar. Ein Bad war ja gar nicht so schlimm! Draußen, hinter einem Busch, lugten Pu und Kaninchen hervor. Pu sah besorgt aus. „Glaubst du, Ferkel mag es, gebadet zu werden?“ fragte er leise. Kaninchen grinste selbstgefällig. „Ach, der kleine Ruh wird sich beschweren! Kanga wird genervt sein, und dann wird sie den echten Ruh zurückbringen wollen. Mein Plan funktioniert perfekt!“ dachte Kaninchen. Er hatte ja keine Ahnung, dass es Ferkel war! Kanga sang ein leises Liedchen, während sie Ferkel wusch. Sie wickelte ihn in ein großes, weiches Handtuch. Ferkel fühlte sich so sauber und weich wie noch nie zuvor. Kanga drückte ihn an sich. „Du bist ein so braver kleiner Ruh“, sagte sie liebevoll. Dann legte sie ihn auf den Boden und drehte sich um. Und in diesem Moment, als Ferkel ganz nackt und sauber da saß, da sah Kanga etwas. Etwas ganz und gar Ferkel-haftes! Sie sah, dass Ferkels Ohren länger und spitzer waren als Ruhs. Und seine kleine Nase war auch anders! Und plötzlich wusste Kanga ganz genau, wer da vor ihr saß. Sie drehte sich wieder zu Ferkel um und lächelte. Es war nicht mehr das geheimnisvolle Lächeln, sondern ein warmes, verständnisvolles. „Oh, Ferkel“, sagte sie sanft. „Was machst du denn hier in meinem Haus? Und warum riechst du so wunderbar nach Seife?“ Ferkel wurde rot, so rot, wie er nur sein konnte. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Kanga hob ihn wieder hoch. „Keine Sorge, mein Kleiner“, sagte sie. „Es ist ein schönes Geheimnis, nicht wahr?“ Sie wusste genau, dass Kaninchen dahintersteckte. Kanga war nicht dumm! Sie wickelte Ferkel noch fester in das Handtuch. „Jetzt, wo du so schön sauber bist, möchte ich dir ein kleines Geschenk machen.“ Sie holte ein weiches, flauschiges Nachthemdchen hervor, himmelblau mit kleinen Wolken. Ferkel zog es an und fühlte sich noch wohler. In der Zwischenzeit begannen Kaninchen und Pu, sich Sorgen zu machen. Die Zeit verging. Es war schon fast dunkel. Pu murmelte: „Meinst du, Kanga hat Ruh schon zurückgebracht?“ Kaninchen, immer noch von seinem Plan überzeugt, antwortete: „Geduld, Pu. Sie wird Ruh bald zurückbringen.“ Doch dann kam Kanga aus ihrem Haus. Sie trug etwas in ihrem Beutel. Kaninchen strahlte. „Sie bringt ihn zurück!“ Aber Pu bemerkte, dass Kangas Lächeln sehr, sehr breit war. Ein bisschen zu breit, um genervt zu sein. Kanga kam näher und lächelte. „Guten Abend, meine Lieben“, sagte sie. „Ich glaube, ihr habt jemanden vermisst.“ Und sie holte den echten Ruh aus ihrem Beutel! Ruh, der die ganze Zeit bei Kanga gewesen war, warm und sicher, und der jetzt fröhlich herausprang und Pu und Kaninchen anlächelte. Kaninchens Ohren fielen ein kleines bisschen herunter. Sein schlauer Plan hatte überhaupt nicht funktioniert! Kanga hatte es die ganze Zeit gewusst. Sie hatte Ferkel so lieb gebadet und ihm sogar ein Nachthemdchen geschenkt. Und den echten Ruh hatte sie die ganze Zeit sicher bei sich gehabt. „Oh, Ruh!“ rief Pu erleichtert. „Ich dachte, du wärst mit Kanga in einem Bad!“ Ruh kicherte. „Ich habe bei Kanga gespielt“, sagte er. „Es war sehr schön.“ Kaninchen seufzte leise. Sein Plan war nicht nur gescheitert, er war sogar nach hinten losgegangen! Kanga hatte alle überlistet, ohne ein böses Wort zu sagen. Sie hatte sie einfach mit ihrer Freundlichkeit und Klugheit besiegt. Kanga lächelte wieder. „Ich glaube, Ferkel möchte jetzt gerne nach Hause“, sagte sie. Und dann sahen Pu und Kaninchen Ferkel, der im Türrahmen von Kangas Haus stand. Er trug das himmelblaue Nachthemdchen und sah so unglaublich glücklich und sauber aus. Er winkte ihnen zu. Pu ging zu Ferkel. „Hast du gebadet, Ferkel?“ fragte er. Ferkel nickte. „Ja“, sagte er, „und es war gar nicht schlimm! Kanga ist sehr nett!“ Kaninchen verstand nun, dass Kanga viel schlauer war, als er dachte. Manchmal ist Freundlichkeit viel mächtiger als der schlauste Plan. Und so endete der Tag, nicht mit einem aufgeregten Ruh, sondern mit einem sehr sauberen und glücklichen Ferkel, einem erleichterten Pu, einem überraschten Kaninchen und einer sehr klugen Kanga, die ihre kleinen Freunde genau kannte. Was für ein besonderer Tag im Hundertmorgenwald!

Eine Nordpolexpedition

Der nächste Tag brach an, hell und klar, und im Hundertmorgenwald wartete schon ein neues Abenteuer. Pu der Bär saß vor seinem Haus, als er eine bekannte Stimme hörte, die durch die Bäume rief. „Pu! Pu, wo bist du?“ Es war Christopher Robin, der mit großen Schritten durch den Wald kam, seine Augen glänzten vor Aufregung. „Hier bin ich!“, brummte Pu erfreut. Christopher Robin setzte sich neben Pu. „Pu“, sagte er, „ich habe heute etwas ganz Besonderes vor! Wir werden den Nordpol finden!“ Pu kratzte sich am Kopf. „Den Nordpol? Was ist das denn, Christopher Robin?“ „Nun“, erklärte Christopher Robin, „der Nordpol ist ein ganz wichtiger Ort. Der nördlichste Punkt auf der ganzen Welt! Und wir müssen ihn finden!“ Pu war verwirrt, aber wenn Christopher Robin sagte, es sei wichtig, dann musste es stimmen. „Und wie finden wir ihn?“, fragte er. „Wir gehen einfach nach Norden!“, sagte Christopher Robin entschlossen. „Und wir brauchen alle unsere Freunde dafür!“ Und so machten sich Pu und Christopher Robin auf den Weg, um ihre Freunde zu sammeln. Zuerst gingen sie zu Ferkels Haus. Als Ferkel von der Expedition zum Nordpol hörte, wurden seine Ohren ganz rosa vor Aufregung. „Zum Nordpol? Oh, wie aufregend! Aber ist es da nicht sehr kalt?“ „Nein, Ferkel“, beruhigte Christopher Robin ihn, „nicht jetzt.“ Als Nächstes trafen sie Kaninchen, der seinen Garten inspizierte. „Eine Expedition? Zum Nordpol? Was soll das denn bringen?“, fragte er skeptisch. „Es ist ein wichtiges Abenteuer!“, erklärte Christopher Robin. Kaninchen seufzte, aber er war zu neugierig, um nicht mitzukommen. „Na gut, aber ich muss bald zurück sein.“ Eule traf sie hoch oben in ihrem Baum. „Der Nordpol, sagst du? Eine ehrenwerte Suche!“, krächzte sie. Kanga war begeistert. „Eine Expedition! Das ist eine wunderbare Idee für Ruh!“ Ruh hüpfte aufgeregt in Kangas Beutel. „Nordpol! Nordpol!“, rief er. Zuletzt fanden sie I-Aah, der wie üblich melancholisch an einem Bach stand. „Morgen“, sagte I-Aah. „Was gibt’s?“ „Wir gehen zum Nordpol!“, verkündete Christopher Robin. I-Aah zuckte die Schultern. „Ach ja? Und was soll das bringen? Vermutlich ist er genauso langweilig wie alles andere.“ Aber er trottete trotzdem hinter ihnen her. So machte sich die ganze Gruppe auf den Weg. Christopher Robin ging voran, gefolgt von Pu, Ferkel, Kaninchen, Kanga mit Ruh, und Eule. I-Aah trottete ganz hinten. Sie gingen eine ganze Weile. Sie überquerten kleine Hügel und stiegen durch dichte Büsche. Der Wald war voller Geräusche und Gerüche. Pu summte ein kleines Lied, während er Christopher Robins Hand hielt. Plötzlich kamen sie zu einem breiteren, reißenden Bach. „Oh je!“, rief Ferkel. „Wie sollen wir darüber kommen?“ Kaninchen begutachtete den Bach. „Zu weit für Ruh und I-Aah.“ Eule klapperte mit ihrem Schnabel. „Ein Floß wäre ideal.“ Während alle grübelten, bemerkte Christopher Robin, dass I-Aah sich etwas abseitsgestellt hatte und ins Wasser blickte. „I-Aah!“, rief Christopher Robin. „Komm, wir müssen über den Bach!“ I-Aah sagte nichts, sondern starrte nur weiter auf etwas im Wasser. „Was ist das denn?“, fragte Ruh neugierig, der aus Kangas Beutel lugte. Alle blickten hin. Im Wasser trieb ein großer, starker Stock. I-Aah hatte ihn mit seiner Schnauze herausgefischt und hielt ihn nun fest. „Ein Stock“, sagte I-Aah tonlos. „Ein gewöhnlicher, nasser Stock.“ Christopher Robin lief schnell zu I-Aah. Er nahm den Stock und untersuchte ihn genau. Er war ungefähr so lang wie Christopher Robins Arm und sehr stabil. „I-Aah!“, rief Christopher Robin plötzlich, seine Augen strahlten. „Du hast ihn gefunden! Du hast den Nordpol gefunden!“ Alle Tiere schauten Christopher Robin verblüfft an. „Den Nordpol?“, fragte Pu. „Das ist doch nur ein Stock, Christopher Robin.“ „Ja!“, rief Christopher Robin. „Aber sieh mal! Er ist ein POL! Und wir sind nach Norden gegangen! Also muss es der Nordpol sein!“ Ferkel piepste erstaunt. „Ein Pol! Er ist wirklich ein Pol!“ Kaninchen rieb sich die Nase. „Na ja, wenn du das sagst, Christopher Robin.“ I-Aah, der den Stock gefunden hatte, schaute ein klein wenig weniger traurig aus. „Also habe ich doch etwas Nützliches getan“, murmelte er. „Ein Pol. Wer hätte das gedacht.“ Christopher Robin nahm den Stock und steckte ihn fest in die Erde am Ufer des Baches. Er band ein kleines Fähnchen, das er immer dabei hatte, an die Spitze des Stocks. „Hier!“, rief er triumphierend. „Das ist der Nordpol! Und ich, Christopher Robin, habe ihn gefunden! Und I-Aah hat ihn aus dem Wasser geholt!“ Alle jubelten! Pu klatschte in die Pfoten, Ferkel tanzte einen kleinen Freudentanz, und Ruh quietschte vor Vergnügen. Sogar Kaninchen lächelte, und Eule nickte anerkennend. I-Aah, obwohl er versuchte, es nicht zu zeigen, fühlte sich ein kleines bisschen wichtig. Nachdem sie den Nordpol feierlich eingeweiht hatten, aßen sie ihre mitgebrachten Picknick-Leckereien. Es war ein wunderbares Gefühl, den Nordpol gefunden zu haben. Als die Sonne langsam tiefer sank, machten sich die Freunde auf den Heimweg. Sie waren müde, aber sehr glücklich. Jeder hatte seinen Teil zu diesem großartigen Abenteuer beigetragen, und I-Aah hatte sogar den Nordpol selbst gefunden! „Du warst sehr mutig, I-Aah“, sagte Christopher Robin, als sie durch den Wald gingen. I-Aah brummte. „Ich habe nur einen nassen Stock aus dem Wasser gezogen. Ich bin nicht mutig. Aber wenn du meinst, dass es ein Pol ist, dann ist es wohl so.“ Pu lächelte. Manchmal sind die größten Entdeckungen die einfachsten Dinge, die man findet, wenn man gar nicht danach sucht. Und es war doch schön, den Nordpol gefunden zu haben, nicht wahr?

Das Hochwasser und eine mutige Rettung

Nach diesem großen Abenteuer, dem Fund des Nordpols, änderte sich das Wetter plötzlich. Die Sonne versteckte sich hinter dicken, grauen Wolken, und es begann zu regnen. Zuerst war es nur ein leichter Nieselregen, aber bald schon fielen dicke, schwere Tropfen auf den Hundertmorgenwald. Es regnete den ganzen Tag und die ganze Nacht, ohne Unterlass. Plitsch, platsch, plitsch, platsch hörte man es überall. Der Regen rauschte von den Blättern der Bäume, tropfte von den Dächern der kleinen Häuser und sammelte sich in Pfützen, die immer größer und größer wurden. Als Pu der Bär am nächsten Morgen aufwachte, gab es eine große Überraschung! Er rieb sich die Augen und sah sich um. Das Wasser stand bis zu seinem Fenster! Sein gemütliches Zuhause war zu einer kleinen Insel geworden, umgeben von einem riesigen See. Pu war ein bisschen verwirrt, aber nicht wirklich ängstlich. Er liebte es, in seinem Haus zu sein, und jetzt war sein Haus plötzlich auf einem Abenteuer! Aber dann dachte er an seine Freunde. Was war mit Ferkelchen? Ferkelchen war viel kleiner und mochte keine Überraschungen, besonders keine nassen! Pu wusste, er musste nachsehen, ob es Ferkelchen gut ging. Aber wie sollte er das tun? Er hatte ja kein Boot! In der Zwischenzeit war Ferkelchen in seinem Haus viel ängstlicher. Das Wasser stand nicht nur bis zum Fenster, es war schon durch die Tür gekommen und schwamm auf dem Boden! Ferkelchen saß auf seinem Stuhl, die Pfoten fest um seine Ohren gepresst, und zitterte. 'Oh je, oh je, oh je', murmelte er. 'Was soll ich nur tun?' Ferkelchen hatte eine Idee! Eine sehr mutige Idee, wie er fand. Er nahm ein Blatt Papier und einen Stift und schrieb eine ganz wichtige Nachricht. 'HILFE! BIN SCHWIMMEN GEGANGEN. FERKELCHEN.' Dann nahm er eine leere Flasche, steckte die Nachricht hinein und verschloss sie fest mit einem Korken. Mit all seiner Kraft warf er die Flasche aus dem Fenster in das braune Wasser, in der Hoffnung, dass sie jemand finden würde. Während Ferkelchen seine Flaschenpost auf die Reise schickte, dachte Pu immer noch nach. Er schaute sich in seinem Haus um. Was konnte er als Boot benutzen? Sein Honigtopf! Nicht der kleine, den er immer leer aß, sondern der große, der noch halb voll war! 'Das ist es!', rief Pu. 'Ein Honigtopf-Boot!' Er leerte den restlichen Honig vorsichtig aus – keine Sorge, er tat ihn in einen anderen Topf, damit er später noch etwas davon hatte – und schob dann den großen, runden Topf aus seinem Fenster ins Wasser. Es war ein bisschen wackelig, aber Pu war mutig. Er kletterte hinein und paddelte mit einem Stock, den er gefunden hatte, los. Sein Ziel: Ferkelchens Haus! Das Wasser war überall. Bäume standen bis zu den Ästen im Nassen, und nur die Dächer der Häuser waren noch zu sehen. Pu paddelte und paddelte, sein Honigtopf drehte sich manchmal im Kreis, aber er gab nicht auf. Er wollte Ferkelchen finden! Endlich sah er es! Ferkelchens kleines, rosa Haus, das halb im Wasser versunken war. 'FERKELCHEN!', rief Pu so laut er konnte. 'FERKELCHEN! BIST DU DA?' Aus dem Fenster des kleinen Hauses lugte ein ängstliches Gesicht hervor. 'Pu?', flüsterte Ferkelchen. 'Bist du das wirklich?' 'Ja, Ferkelchen, ich bin's!', rief Pu. 'Ich habe ein Honigtopf-Boot! Komm, steig ein!' Ferkelchen war so erleichtert! Er kletterte vorsichtig aus seinem Fenster und ließ sich von Pu in den großen Honigtopf helfen. Puh, das war knapp! Jetzt saßen sie beide im Topf, ein bisschen eng, aber sicher. Pu paddelte weiter, aber wohin sollten sie jetzt? Sie trieben eine Weile auf dem Wasser, als Pu plötzlich etwas Glänzendes im Wasser entdeckte. 'Schau mal, Ferkelchen!', sagte er. 'Was ist das denn?' Es war Ferkelchens Flaschenpost! Pu fischte sie aus dem Wasser. 'Oh, das ist meine Nachricht!', sagte Ferkelchen. 'Ich habe sie weggeschickt, damit jemand uns findet!' 'Und wir haben sie gefunden!', lachte Pu. 'Das ist ja wie eine Schatzkarte!' Sie paddelten weiter, mit der Flasche als Kompass, in Richtung des höchsten Punktes im Wald, wo Christopher Robins Haus stand. Christopher Robins Haus lag auf einem Hügel, und deshalb war es nicht vom Hochwasser betroffen. Dort würden sie sicher sein, und Christopher Robin würde bestimmt wissen, was zu tun ist. Christopher Robin stand besorgt am Fenster und schaute auf das riesige Wasser, das seinen geliebten Hundertmorgenwald bedeckte. Er machte sich große Sorgen um seine Freunde. 'Wo sind sie nur alle?', fragte er sich. Plötzlich sah er etwas im Wasser treiben. Ein großer brauner Fleck, der näherkam. Und dann sah er zwei Köpfe! 'Pu! Ferkelchen!', rief Christopher Robin voller Freude und Erleichterung. Er rannte zur Tür und half seinen beiden Freunden aus dem Honigtopf-Boot. Sie waren nass, aber sicher! 'Pu hat mich gerettet!', sagte Ferkelchen stolz. 'Er kam in einem Honigtopf-Boot!' Christopher Robin umarmte Pu ganz fest. 'Du bist ein wahrer Held, Pu!', sagte er. 'Das war eine sehr mutige Rettung!' Und so saßen sie alle drei warm und trocken in Christopher Robins Haus, während das Wasser langsam, ganz langsam, wieder sank. Das Abenteuer war noch nicht ganz vorbei, aber für diesen Moment waren sie in Sicherheit, und Pu hatte wieder einmal bewiesen, was für ein besonderer Bär er war.

Abschluss

Und so endete Pus heutiges Abenteuer, voller Mut und Freundschaft. Vielen Dank, dass du uns begleitet hast auf dieser spannenden Reise! Wir hoffen, du hattest viel Freude mit Pu und seinen Freunden. Dein Feedback ist uns sehr wichtig, darum: Lass Sonacasts wissen, wenn du Rückmeldungen hast! Wer weiß, welche weiteren magischen Geschichten wir gemeinsam entdecken werden. Bis zum nächsten Mal, wenn wir wieder in die Welt der Fantasie eintauchen. Tschüss und auf Wiedersehen!

Weitere Geschichten