
Geschichte
Frau Holle
15 Min.7-9 Jahre
Das ist der Anfang der Geschichte. Die ganze Geschichte läuft in der Sonacast-App.
Die Geschichte
Ein Sprung ins Abenteuer
Stell dir vor, du schaust in einen tiefen Brunnen... und siehst nicht dein eigenes Gesicht, sondern eine glitzernde, geheimnisvolle Welt! Was wäre, wenn dich dieser Brunnen zu einer magischen Dame führen würde, die den Schnee zur Erde schickt? Heute tauchen wir ein in die zauberhafte Geschichte von Frau Holle, einem Märchen, das uns lehrt, dass Freundlichkeit und Fleiß immer belohnt werden. Bist du bereit für ein Abenteuer unter der Erde?
Zwei Schwestern und ein Spinnrad
Ja, dann lasst uns eintauchen in die Zeit, als es einmal eine Witwe gab, die mit ihren zwei Töchtern lebte. Die eine Tochter war wunderschön und fleißig, sie half immer im Haus und hatte ein Herz so rein wie ein glitzernder Bach im Frühling. Sie war immer freundlich zu allen, sogar zu den kleinen Waldtieren, die manchmal vorbeischauten. Ihre Stiefmutter aber mochte sie gar nicht, obwohl sie so gut und fleißig war. Sie musste alles alleine machen. Ach, und da war noch die andere Tochter! Die war hässlich und faul, sie tat nichts anderes, als den ganzen Tag auf der Bank zu sitzen und zu nörgeln. Ihre Mutter, die sie sehr liebte, ließ sie alles machen, was sie wollte. Die arme fleißige Tochter musste den ganzen Tag hart arbeiten und immer am Spinnrad sitzen, bis ihre Finger wehtaten und oft sogar bluteten. Das war wirklich nicht fair. Und dann geschah etwas Unerwartetes...
Die Reise ins Unterland
Die arme Tochter saß wieder einmal am Spinnrad, die Finger schmerzten. Sie sponn und sponn, bis ihre Finger bluteten. Um die Spindel sauber zu machen, ging sie zum Brunnen. Aber oh Schreck! Die Spindel rutschte ihr aus der Hand und fiel tief, tief hinunter ins Wasser. Das war ein Unglück! Als sie ihrer Stiefmutter davon erzählte, wurde diese ganz wütend. "Du hast die Spindel fallen lassen? Dann hol sie auch wieder raus!" rief sie streng. Das arme Mädchen weinte. Wie sollte sie eine Spindel aus einem so tiefen Brunnen holen? Aber ihre Stiefmutter ließ nicht locker. Sie musste es tun. Mit einem ganz traurigen Herzen ging das Mädchen zurück zum Brunnen. Sie bückte sich, schaute hinunter und sah die glitzernde Spindel tief unten liegen. Ganz vorsichtig, aber auch ganz verzweifelt, sprang sie in den Brunnen, um die Spindel zu holen. Doch anstatt ins kalte Wasser zu fallen, fiel sie durch eine wunderschöne, sonnige Wiese! Blumen blühten in allen Farben und der Himmel war strahlend blau. Sie schwebte sanft nach unten, wie auf einer Feder. Nach einer Weile landete sie weich auf der Wiese. Sie sah sich um und entdeckte einen großen Backofen. Aus dem Ofen rief es plötzlich: "Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenne ich! Ich bin schon längst ausgebacken!" Das Mädchen zögerte keine Sekunde. Schnell nahm sie den Brotschieber und holte alle Brote heraus. Sie waren goldbraun und rochen herrlich. Sie wanderte weiter und kam zu einem Apfelbaum. Der Baum war voller roter Äpfel, die so schwer waren, dass die Äste sich bogen. Da rief der Baum: "Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif!" Wieder zögerte das Mädchen nicht. Sie schüttelte den Baum, bis alle Äpfel herunterfielen. Sie sammelte sie vorsichtig zu einem Haufen und ging dann weiter. Sie fragte sich, wohin diese wundersame Reise sie wohl noch führen würde...
Bei Frau Holle
Sie fragte sich, wohin diese wundersame Reise sie wohl noch führen würde... Und dann, als sie durch ein kleines, knarrendes Tor trat, stand sie plötzlich vor einem ganz besonderen Haus. Es war nicht wie die Häuser, die sie kannte. Es sah ein bisschen aus wie eine große, flauschige Wolke, die auf dem Boden gelandet war, mit Fenstern, die wie glitzernde Sterne funkelten. Aus dem Schornstein stieg nicht nur Rauch, sondern kleine, weiße Flocken, die sanft zur Erde tanzten. Das Mädchen klopfte vorsichtig an die Tür, die aussah, als wäre sie aus weichen Federn gemacht. Die Tür öffnete sich leise und zum Vorschein kam eine alte Frau. Ihre Augen waren groß und strahlten eine unglaubliche Güte aus, auch wenn sie große Zähne hatte, die aber gar nicht beängstigend, sondern eher weise aussahen. Sie trug ein langes, blaues Gewand, das glitzerte, als ob es mit Tautropfen besetzt wäre. Das war Frau Holle. „Ach, mein liebes Kind“, sagte Frau Holle mit einer Stimme, die so weich war wie ein warmer Sommermorgen und doch so klangvoll wie eine Glocke. „Du bist also endlich hier. Ich habe dich erwartet. Du bist die, die ins Brunnenloch gefallen ist, nicht wahr?“ Das Mädchen nickte schüchtern. „Ja, Frau Holle“, flüsterte sie. „Ich… ich weiß nicht, wie ich hierhergekommen bin.“ Frau Holle lächelte gütig. „Keine Sorge, mein Schatz. Das passiert manchmal. Aber jetzt, wo du hier bist, könntest du mir vielleicht eine Weile helfen? Ich bin schon etwas älter und meine Arme werden müde.“ Das Mädchen strahlte. „Oh ja! Sehr gerne, Frau Holle! Ich helfe Ihnen bei allem!“ „Das ist wunderbar“, sagte Frau Holle. „Deine Aufgabe wird es sein, meine Betten gut und fleißig aufzuschütteln. Wenn du das tust, dann schneit es auf der Erde. Und das ist sehr wichtig, damit die kleinen Pflänzchen unter der warmen Schneedecke schlafen können und die Kinder im Winter Schneemänner bauen können.“ Das Mädchen war neugierig. Betten aufschütteln, damit es schneit? Das hatte sie noch nie gehört! Aber es klang nach einer sehr wichtigen und besonderen Aufgabe. Und so begann das Mädchen ihre Arbeit bei Frau Holle. Jeden Tag ging sie in das große Schlafzimmer, wo viele, viele Betten standen, alle gefüllt mit weichen, weißen Federn. Sie nahm die Federbetten und schüttelte sie mit aller Kraft aus. Sie schüttelte und schüttelte, bis die Federn nur so durch die Luft tanzten, wie kleine, weiße Wolken. Und jedes Mal, wenn die Federn aus den Betten flogen, blickte Frau Holle zum Fenster hinaus und lächelte zufrieden. „Sieh nur, mein Kind“, sagte sie dann. „Auf der Erde schneit es gerade ganz sanft. Du machst das wirklich gut.“ Das Mädchen liebte diese Arbeit. Es fühlte sich gut an, so fleißig zu sein und zu wissen, dass sie etwas Wichtiges tat. Sie sang kleine Lieder, während sie die Betten schüttelte, und dachte nicht an die mürrische Stiefmutter oder die faule Stiefschwester. Hier war sie willkommen und ihre Mühe wurde geschätzt. Die Tage vergingen wie im Flug. Eines Morgens, als das Mädchen gerade ein besonders großes Federbett ausschüttelte, überkam sie ein ganz besonderes Gefühl. Es war ein Gefühl, das sie schon lange nicht mehr gehabt hatte: Heimweh. Sie mochte Frau Holle sehr und die Arbeit war schön, aber tief in ihrem Herzen spürte sie, dass sie zurück nach Hause wollte. Sie vermisste ihren Vater, auch wenn er sie oft nicht beschützen konnte. Sie vermisste die vertrauten Gerüche und die Sonne, die sie früher so oft auf ihrem Gesicht gespürt hatte. Als Frau Holle sah, dass das Mädchen einen traurigen Blick hatte, fragte sie sanft: „Was ist los, mein liebes Kind? Bist du müde geworden von der Arbeit? Oder schmerzt dich etwas?“ Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, Frau Holle“, sagte sie. „Ich bin nicht müde und mir tut auch nichts weh. Aber…“ Sie schluckte. „Ich habe Heimweh. Ich bin so dankbar für alles, was Sie für mich getan haben und für die schöne Zeit hier. Aber ich möchte wieder nach Hause.“ Frau Holle nickte verständnisvoll. „Ah, Heimweh. Das kenne ich. Es ist ein Gefühl, das sagt, dass dein Herz einen Teil von dir vermisst. Und das ist gut so, mein Kind. Es zeigt, dass du jemanden oder etwas liebst. Nun gut. Wenn du wieder nach Hause möchtest, dann soll es so sein.“ Das Mädchen staunte. „Wirklich? Ich darf gehen?“ „Natürlich“, sagte Frau Holle. „Du warst fleißig und gut. Du hast mir treu gedient. Es ist an der Zeit, dass du den Lohn für deine Arbeit erhältst.“ Sie nahm das Mädchen bei der Hand und führte sie zu einem großen Tor, das glänzte wie Gold. Es war ein ganz anderes Tor als das, durch das sie gekommen war. Es schien aus reinem Licht gemacht zu sein. Das Mädchen war ganz aufgeregt. Sie fragte sich, was wohl hinter diesem goldenen Tor auf sie warten würde. Würde sie wirklich nach Hause kommen? Und was meinte Frau Holle mit „Lohn“? All diese Fragen tanzten in ihrem Kopf, als sie mit Frau Holle vor dem strahlenden Tor stand...
Goldregen und Pech
Frau Holle lächelte das fleißige Mädchen an. „Du hast mir treu gedient“, sagte sie, „dafür sollst du nun deinen Lohn erhalten.“ Sie öffnete das große, goldene Tor. Ein helles, warmes Licht strömte hervor und umhüllte das Mädchen. Es war so strahlend, dass sie die Augen schließen musste. „Geh nur hindurch“, ermutigte Frau Holle. „Dein Weg nach Hause wartet.“ Das Mädchen trat vorsichtig durch das Tor. Kaum hatte sie einen Fuß auf die andere Seite gesetzt, da fielen goldene Flocken vom Himmel. Es war kein Regen, kein Schnee, sondern ein sanfter Schimmer aus reinem Gold! Die goldenen Flocken tanzten um sie herum, setzten sich auf ihre Haare, ihre Kleider. Sie glitzerten und funkelten wie tausend kleine Sterne. Das Mädchen lachte, ein klares Lachen. Mit jedem Schritt fiel mehr Gold auf sie herab, bis sie von Kopf bis Fuß in Glanz gehüllt war. Sie drehte sich um, um Frau Holle zu danken, aber das goldene Tor hatte sich schon leise geschlossen. Nur das strahlende Gold auf ihr blieb. Und dann, ganz plötzlich, fand sie sich wieder neben dem tiefen Brunnen. Die Sonne schien, die Blumen dufteten. Sie sah ihr Haus und machte sich auf den Weg. Ihre Stiefmutter und die faule Schwester saßen davor. Sie trauten ihren Augen kaum! Bei jedem Schritt fiel ein Stückchen Gold vom Mädchen. Sie war so wunderschön und strahlend, dass die Stiefmutter und Schwester nur staunen konnten. „Kind, was ist dir geschehen?“, rief die Stiefmutter, ihre Augen glänzten vor Gier. Das Mädchen erzählte alles: von Frau Holle, dem rufenden Apfelbaum, dem bittenden Brot und ihrer Belohnung mit Gold. Die faule Schwester hörte genau zu. Gold! So viel Gold! Das wollte sie auch haben! „Mama!“, rief sie aufgeregt, „Ich will auch zu Frau Holle und Goldregen bekommen!“ Die Stiefmutter nickte eifrig. „Ja, meine Tochter, das sollst du! Du bist doch viel schöner! Bestimmt bekommst du noch mehr Gold!“ Also musste die faule Tochter am nächsten Tag zum Brunnen. Sie stach sich absichtlich mit der Spindel in den Finger, warf sie in den Brunnen und sprang hinterher. Sie kam in die schöne Wiese und sah den Apfelbaum. „Ach, schüttel mich! Meine Äpfel sind reif!“, rief der Baum. Aber die faule Schwester sagte: „Soll ich mir die Arme müde machen? So etwas Dummes tue ich nicht!“ Und sie ging weiter. Dann kam sie zum Backofen. „Ach, zieh mich heraus! Sonst verbrenne ich!“, rief das Brot. Aber die faule Schwester sagte: „Soll ich mir die Hände schmutzig machen? Ich fasse kein warmes Brot an!“ Und sie ging weiter. Bald erreichte sie das Haus von Frau Holle. „Guten Tag“, sagte Frau Holle. Die faule Schwester antwortete: „Ich will bei dir arbeiten und Gold bekommen, wie die andere!“ Frau Holle sah sie streng an und gab ihr die gleichen Aufgaben. „Du musst mein Bett gut schütteln, damit die Federn fliegen! Dann schneit es in der Welt.“ Die faule Schwester machte sich kurz an die Arbeit. Sie dachte: „Warum soll ich mich anstrengen? Ich will doch nur das Gold!“ Sie schüttelte das Bett nur ein kleines bisschen. Dann legte sie sich hin. Frau Holle sah das alles. „Du hast deine Arbeit nicht gut gemacht“, sagte sie. „So bekommst du auch keinen Lohn.“ Die faule Schwester wurde zornig. „Aber ich will doch Gold haben!“ „Deinen Lohn wirst du bekommen“, sagte Frau Holle, „aber nicht das, was du dir wünschst.“ Frau Holle führte die faule Schwester zum großen Tor. Die faule Schwester rieb sich schon die Hände. „Gleich regnet es Gold! Ich werde die Reichste!“ Aber als sie durch das Tor trat, fiel kein Gold vom Himmel. Stattdessen regnete es dicken, schwarzen Pech! Klebriger, dunkler Pech! Er fiel auf ihre Haare, Kleider, Hände und Gesicht. Er klebte fest und ließ sich nicht abwaschen. Es war eklig! Der Pechregen hörte nicht auf, bis sie von Kopf bis Fuß bedeckt war. Dann fand sie sich wieder neben dem Brunnen. Sie rannte nach Hause. Als die Stiefmutter und fleißige Schwester sie sahen, erschraken sie! Die faule Schwester war von oben bis unten mit schwarzem Pech bedeckt. Er klebte an ihr, dunkel und schmutzig. Er blieb ihr Leben lang haften. So war sie für immer als faul und böse zu erkennen. Das fleißige Mädchen aber, die Goldmarie, lebte glücklich und zufrieden. Eine schöne Belohnung für ein gutes Herz und fleißige Hände, findet ihr nicht auch?
Abschied
Und so endet unsere Geschichte von Frau Holle und den beiden Mädchen. Ich hoffe, ihr hattet viel Freude beim Zuhören und habt vielleicht sogar davon geträumt, einmal selbst durch ein magisches Tor zu springen. Habt ihr auch eine Lieblingsfigur? Erzählt uns doch davon! Eure Ideen sind uns wichtig. Lasst Sonacasts wissen, was ihr denkt. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald noch mehr Geschichten zu entdecken. Bis zum nächsten Mal!






