SONACAST
Jetzt bei Google PlayLaden im App Store

Geschichte

Der Gevatter Tod

15 Min.7-9 Jahre

Den Anfang anhören

Das ist der Anfang der Geschichte. Die ganze Geschichte läuft in der Sonacast-App.

Die Geschichte

Einführung

Hallo, liebe Kinder! Habt ihr euch jemals gefragt, was passiert, wenn man einen ganz besonderen Patenonkel hat? Einen, der nicht nur klug ist, sondern auch ein bisschen geheimnisvoll? Heute tauchen wir ein in eine alte Geschichte der Gebrüder Grimm. Es geht um einen armen Mann, sein dreizehntes Kind und einen Patenonkel, den niemand erwartet hätte: den Gevatter Tod! Seid ihr bereit für ein magisches Abenteuer voller Wunder und wichtiger Lektionen? Dann spitzt eure Ohren!

Der arme Mann und sein Patenonkel

Es war einmal ein sehr armer Mann, der hatte schon zwölf Kinder. Zwölf hungrige Mäuler! Und dann, oh je, kam noch ein dreizehntes Kind zur Welt! Der arme Mann wusste nicht mehr, was er tun sollte. Wen sollte er nur als Patenonkel für sein Jüngstes fragen? Er wollte einen Paten, der seinem Kind wirklich helfen konnte, wenn es groß wurde. Er dachte und dachte, wanderte durch den Wald und über Felder, bis er plötzlich jemandem begegnete. Es war ein großer Mann, der sah ganz anders aus als alle anderen. Er trug einen langen schwarzen Mantel und hatte einen ganz besonderen Blick. „Was suchst du, armer Mann?“, fragte die Gestalt. „Ich suche einen Patenonkel für mein dreizehntes Kind“, sagte der Mann. „Ich will aber nur einen, der gerecht ist und meinem Kind wirklich etwas Gutes geben kann.“ Und wisst ihr, wer diese geheimnisvolle Gestalt war? Es war der Gevatter Tod selbst! Ja, genau. Der Tod wollte der Patenonkel sein.

Das magische Kraut und die Gabe

Der arme Mann war zuerst ein wenig erschrocken, als er hörte, wer der Patenonkel sein wollte. Der Tod! Aber dann sah er, wie freundlich der Tod lächelte und sich über das Baby freute. Der Tod sagte mit einer sanften Stimme: „Lieber Pate, ich werde deinem Sohn kein Gold oder Silber schenken. Das macht die Menschen oft nur unglücklich. Ich gebe ihm etwas viel Besonderes, etwas, das ihn zu einem großen Arzt machen wird.“ Und was war das wohl? Eine unglaubliche Gabe! Sie sollte das Leben des kleinen Jungen für immer verändern. Der Tod nahm die Hand des Mannes und führte ihn zu einer Wiese, wo viele bunte Blumen wuchsen. Dort zeigte er ihm ein ganz besonderes Kraut. Es hatte leuchtend grüne Blätter und kleine, glitzernde Blüten. „Siehst du dieses Kraut?“, fragte der Tod. „Wenn jemand krank ist, kannst du dieses Kraut nutzen. Ich werde dir eine besondere Gabe geben: Du wirst mich sehen können, wenn ich bei einem kranken Menschen bin.“ „Wenn ich am Kopfende des Bettes stehe“, erklärte der Tod, „dann kannst du das magische Kraut geben, und der Kranke wird wieder gesund.“ Stell dir das vor! Mit diesem Kraut konnte der Mann Menschen heilen! „Aber“, fuhr der Tod fort, „wenn ich am Fußende des Bettes stehe, dann ist es zu spät. Dann kann auch das Kraut nicht mehr helfen.“ Der Mann verstand. Sein Sohn hatte eine unglaubliche Gabe erhalten. Er konnte sehen, wann der Tod kam, und wann er noch eine Chance hatte, zu helfen. Der kleine Junge war auserwählt, ein ganz besonderer Heiler zu werden. Und so begann sein Abenteuer als der Arzt, der den Tod sehen konnte!

Die kranke Prinzessin und der erste Trick

Der kleine Junge war auserwählt, ein ganz besonderer Heiler zu werden. Und so begann sein Abenteuer als der Arzt, der den Tod sehen konnte! Er wuchs heran und wurde ein sehr kluger und geschickter Arzt. Bald wusste man im ganzen Land von seiner wunderbaren Gabe. Wenn er zu einem kranken Menschen kam, sah er sofort den Tod. Manchmal stand der Tod am Kopfende des Bettes, manchmal an den Füßen. Der junge Arzt wusste: Wenn der Tod am Kopfende stand, gab es noch Hoffnung. Dann konnte er dem Kranken helfen! Aber stand der Tod an den Füßen, dann war es leider schon zu spät. Dann konnte niemand mehr etwas tun. Er konnte nur noch leise Lebewohl sagen. So wurde der junge Arzt immer berühmter. Die Menschen vertrauten ihm, und er half, wo er nur konnte. Er war sehr vorsichtig und klug, und er behielt sein besonderes Geheimnis für sich. Nur sein Vater und er wussten von dem Patenonkel und der Gabe. Die anderen dachten, er wäre einfach der allerbeste Arzt der Welt. Eines Tages, in einem weit entfernten Königreich, wurde eine wunderschöne Prinzessin sehr, sehr krank. Sie war so blass und schwach, dass die Vögel in ihrem Garten nicht mehr sangen und die Blumen im Schlosspark ihre Köpfe hängen ließen. Der König und die Königin waren sehr traurig und machten sich große Sorgen. Sie riefen die klügsten Ärzte des Landes, aber niemand, wirklich niemand, konnte der Prinzessin helfen. Ihre Krankheit wurde immer schlimmer. Der König, der seine Tochter über alles liebte, war verzweifelt. Er versprach eine riesige Belohnung: Wer auch immer seine geliebte Prinzessin heilen konnte, sollte die Hälfte seines Königreiches und die Hand seiner Tochter bekommen. Das war ein Versprechen! Eine solche Chance gab es nur einmal im Leben! Bald hörte auch der junge Arzt von der kranken Prinzessin und dem großen Versprechen des Königs. Er beschloss, zum Schloss zu reiten und zu sehen, ob er helfen konnte. Er packte seine Medizin und seine besonderen Kräuter ein, stieg auf sein Pferd und machte sich auf den Weg. Als er im Schloss ankam, war alles sehr still. Die Diener flüsterten nur, und selbst der Hofhund lag traurig in der Ecke. Man führte den jungen Arzt in das prunkvolle Schlafzimmer der Prinzessin. Sie lag ganz still in ihrem großen Himmelbett, umgeben von weichen Kissen und seidenen Decken. Ihre Augen waren geschlossen, und sie atmete nur noch ganz leicht. Der König und die Königin saßen an ihrem Bett, ihre Gesichter voller Kummer. Der junge Arzt trat leise an das Bett heran. Er schloss kurz die Augen und konzentrierte sich. Dann öffnete er sie wieder. Und da war er! Der Gevatter Tod! Er stand groß und dunkel am Kopfende des Bettes der Prinzessin. Sein Gesicht war wie immer unbewegt, aber er hielt schon eine große Sanduhr in der Hand, deren letzte Körnchen langsam herabrieselten. Der junge Arzt atmete tief ein. Der Tod stand am Kopfende! Das war ein gutes Zeichen! Das bedeutete, dass die Prinzessin noch eine Chance hatte! Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er wusste genau, was zu tun war! Er drehte sich zu den Dienern um, die ängstlich im Raum standen. „Schnell!“, befahl er mit fester Stimme, „Dreht das Bett der Prinzessin um! Und zwar sofort!“ Die Diener schauten ihn verwirrt an. Das Bett umdrehen? Was sollte das denn helfen? Aber der König, der jeden Strohhalm ergriff, um seine Tochter zu retten, nickte. „Tut, was der Herr Doktor sagt!“, rief er. Mit vereinten Kräften schoben die Diener das schwere Bett herum. Das Kopfende wurde zum Fußende, und das Fußende wurde zum Kopfende. Und was geschah mit dem Gevatter Tod? Als sich das Bett drehte, musste der Tod mitwandern! Er stand plötzlich an den Füßen der Prinzessin, wo er vorher am Kopfende gestanden hatte. Er sah den jungen Arzt an, und obwohl sein Gesicht keine Gefühle zeigte, schien es, als würde er leise murren. Er war gar nicht glücklich darüber, dass sein Platz einfach so verändert worden war. Der junge Arzt lächelte triumphierend. Jetzt konnte er der Prinzessin helfen! Er zog ein kleines Fläschchen aus seiner Tasche. Darin war ein ganz besonderer, funkelnder Trank, den er aus seinen magischen Kräutern gebraut hatte. Er träufelte vorsichtig ein paar Tropfen auf die Lippen der Prinzessin. Nur wenige Augenblicke später geschah etwas Wunderbares! Die Prinzessin öffnete ihre Augen. Ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie hustete leise und atmete tief ein. Ihre Wangen bekamen wieder ein wenig Farbe. Sie war gerettet! Der König und die Königin konnten es kaum glauben. Sie fielen sich weinend in die Arme und umarmten dann den jungen Arzt. „Mein Retter!“, rief der König. „Du hast meine Tochter gerettet! Das Königreich ist deins, und meine Tochter soll deine Frau werden!“ Der junge Arzt hatte seine erste große Bewährungsprobe bestanden. Er hatte den Gevatter Tod überlistet! Und er wusste, dass dies erst der Anfang war.

Eine wichtige Lektion und ein glückliches Ende

Der junge Arzt, der nun auch der Prinzessin Ehemann war, wurde im ganzen Land berühmt. Die Menschen kamen von nah und fern, um seine Hilfe zu suchen. Er half vielen Kranken und wurde reich und angesehen. Er vergass nie den Gevatter Tod, der ja sein Pate war. Er schaute immer genau hin, wo der Gevatter Tod stand – am Kopf oder am Fussende des Bettes. Manchmal, wenn Gevatter Tod am Fussende stand, gab der Arzt den Kranken das magische Kraut, und sie wurden wieder gesund. Die Leute jubelten ihm zu, und der König war so stolz auf ihn. Mit der Zeit aber wurde der Arzt ein bisschen übermütig. Er dachte, er sei schlauer als alle anderen. Er konnte doch jeden überlisten, oder? Eines Tages wurde ein sehr, sehr reicher Mann krank. Er war so reich, dass er dem Arzt eine ganze Goldtruhe versprach, wenn er ihn rettete. Der Arzt ging zu seinem Bett, und da stand Gevatter Tod am Kopfende! Das bedeutete, der Mann würde sterben. Aber die Goldtruhe war so verlockend! Der Arzt dachte sich: „Ach, einmal noch! Nur dieses eine Mal drehe ich das Bett einfach schnell um, dann steht Gevatter Tod wieder am Fussende!“ Er tat es. Schnell und geschickt drehte er das Bett. Gevatter Tod schaute ihn an. Seine Augen leuchteten. „Du wagst es wieder, mein Patenkind?“, donnerte er, aber nicht laut, eher wie ein tiefes Grollen, das nur der Arzt hören konnte. „Ich habe dir gesagt, du sollst mich nicht zum Narren halten! Du hast mein Wort gebrochen.“ Der Arzt zitterte. „Bitte, Gevatter!“, flehte er. „Dieser Mann ist so wichtig! Ich brauche das Gold für meine Familie!“ Gevatter Tod schwieg, aber er machte eine deutliche Geste. Der Arzt wusste, das war eine Warnung. Er gab dem reichen Mann das Kraut, und der Mann wurde gesund. Die Jahre vergingen. Der Arzt und die Prinzessin bekamen eine kleine Tochter, die sie über alles liebten. Sie war so fröhlich und lachte den ganzen Tag. Eines Tages aber wurde die kleine Prinzessin sehr, sehr krank. Ihr Fieber stieg, und sie wurde immer schwächer. Der Arzt war verzweifelt. Er liebte sein Kind mehr als alles Gold der Welt. Er eilte an ihr Bett, und da stand Gevatter Tod am Kopfende! Der Arzt spürte, wie sein Herz vor Angst ganz klein wurde. Er wusste, was das bedeutete. Aber er konnte seine kleine Tochter doch nicht sterben lassen! Nicht sein eigenes Kind! Er schaute Gevatter Tod flehend an. „Gevatter! Mein Pate! Bitte, nur dieses eine Mal noch! Ich flehe dich an! Nimm mein Leben, aber lass mein Kind leben!“ Gevatter Tod schüttelte langsam seinen knochigen Kopf. „Es ist nicht meine Entscheidung, Patenkind. Es ist die Zeit, die gekommen ist.“ Der Arzt sah sich um. Was sollte er tun? Er konnte das Bett nicht umdrehen, Gevatter Tod war zu nah, zu präsent. Doch die Liebe zu seiner Tochter war so stark. Er musste es versuchen! Mit all seiner Kraft packte der Arzt die Beine des Bettes und versuchte, es zu drehen. Er zerrte und schob, schwitzte und kämpfte. Aber es war, als wäre das Bett festgewachsen. Gevatter Tod bewegte sich keinen Millimeter. Er blickte den Arzt ernst an. „Du verstehst es nicht, mein Patenkind“, sagte Gevatter Tod. „Ich bin nicht der Feind. Ich bin nur der Begleiter, der die Reise zu Ende führt. Das Leben hat einen Anfang und ein Ende. Du kannst nicht immer gegen die natürliche Ordnung kämpfen.“ Der Arzt sank auf die Knie. Er sah seine Tochter, die so friedlich atmete, aber ihr Atem wurde flacher und flacher. Er sah Gevatter Tod, der dort stand, still und unbeweglich. Und plötzlich verstand er. Er verstand, dass er nicht über das Leben und den Tod entscheiden konnte. Er hatte ein wunderbares Geschenk bekommen, um zu helfen und zu heilen, wenn die Zeit dafür war. Aber er durfte es nicht missbrauchen, um dem Schicksal immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Tränen liefen über sein Gesicht. Er schaute Gevatter Tod an, aber diesmal nicht mit Angst, sondern mit einem tiefen Verständnis. „Ich verstehe“, flüsterte er. „Ich habe versucht, über deine Macht zu herrschen. Das war falsch.“ Gevatter Tod nickte langsam. „Du hast viel Gutes getan, mein Patenkind. Du hast vielen Menschen geholfen. Aber du musst wissen, dass alles seine Zeit hat.“ Und dann geschah etwas Unerwartetes. Gevatter Tod beugte sich über das Bett der kleinen Prinzessin. Er berührte sanft ihre Stirn. Und anstatt ihr Leben zu nehmen, geschah etwas Magisches: Das Fieber sank! Die kleine Prinzessin atmete tiefer und ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. Der Arzt konnte es kaum glauben! „Gevatter?“, fragte er. „Ich habe dir eine letzte Lektion gegeben, Patenkind“, sagte Gevatter Tod. „Du hast deine Grenzen erkannt und deine Überheblichkeit abgelegt. Das ist weiser, als jedes magische Kraut. Lebe dein Leben in Demut und hilf den Menschen mit deinem Wissen, aber erkenne an, wann die Zeit gekommen ist. Für dein Kind ist die Zeit noch nicht gekommen. Du hast deine Lektion gelernt.“ Und so wurde die kleine Prinzessin wieder ganz gesund. Der Arzt war überglücklich. Er hatte eine wichtige Lektion gelernt: Man kann das Schicksal nicht unendlich oft austricksen. Er nutzte seine Gabe fortan mit grosser Weisheit und Respekt. Er half weiterhin vielen Menschen, aber er versuchte nie wieder, Gevatter Tod zu überlisten. Er lebte glücklich mit seiner Prinzessin und seiner Tochter, dankbar für jeden Tag und für die zweite Chance, die er bekommen hatte. Er wurde ein alter, weiser Mann, der von allen geliebt und geachtet wurde, nicht nur wegen seiner Heilkünste, sondern auch wegen seiner Demut und seines Herzens. Und das war das Ende der Geschichte vom Gevatter Tod und seinem Patenkind.

Verabschiedung

Vielen Dank, dass ihr uns heute bei der Geschichte vom Gevatter Tod und seinem Patenkind Gesellschaft geleistet habt! Wir hoffen, es hat euch gefallen. Wenn ihr Anregungen oder Wünsche habt, lasst Sonacasts das gerne wissen. Wer weiß, vielleicht denkt ihr euch ja auch eine ganz neue, aufregende Geschichte aus, die wir dann zusammen erzählen können? Bleibt neugierig und habt eine wunderschöne Zeit voller Fantasie! Bis bald!

Weitere Geschichten