
Geschichte
Alice im Wunderland
30 Min.7-9 Jahre
Das ist der Anfang der Geschichte. Die ganze Geschichte läuft in der Sonacast-App.
Die Geschichte
Einführung
Stell dir vor, du sitzt im Gras und plötzlich rennt ein sprechendes Kaninchen vorbei, das auf die Uhr schaut! Genau das passiert der kleinen Alice. Sie ist so neugierig, dass sie dem Kaninchen hinterherläuft und plumps! Fällt sie tief, tief, tief in ein geheimnisvolles Loch. Was sie dort unten wohl alles entdecken wird? Eine Welt voller Überraschungen, wo nichts so ist, wie es scheint. Begleite uns auf Alices unglaubliches Abenteuer im Wunderland!
Alices Fall ins Kaninchenloch
Und da war Alice schon unterwegs! Tiefer und tiefer fiel sie, aber es war gar nicht schlimm. Es fühlte sich an wie ein ganz langes, langsames Fallen, als würde sie schweben. Links und rechts sah sie viele Dinge an den Wänden vorbeisausen. Da waren Regale voller Bücher, aber niemand zum Vorlesen! Sie sah Schränke und Landkarten. Einmal schwebte sie an einem Marmeladenglas vorbei, aber es war leer! „Was für ein langer Sturz“, dachte Alice. „Werde ich wohl jemals unten ankommen?“ Sie überlegte, ob sie vielleicht durch die ganze Erde fallen würde, bis sie auf der anderen Seite wieder herauskommt. Das wäre ja ein seltsames Abenteuer! Plötzlich, ganz unerwartet, landete sie sanft auf einem Berg aus trockenen Blättern. Puh! Sie war nicht verletzt, nur ein kleines bisschen staubig und sehr verwirrt. Sie blickte sich um und sah einen langen Gang. Und da huschte das weiße Kaninchen wieder davon!
Der Trank und der Kuchen
Alice folgte dem weißen Kaninchen durch den langen Gang. Doch es war so schnell! Ehe sie sich versah, war es schon wieder hinter einer Ecke verschwunden. Alice stand nun vor einem Raum, der voller verschlossener Türen war. Das war aber ärgerlich! Sie versuchte eine nach der anderen, aber keine ließ sich öffnen. Wie sollte sie jetzt weiterkommen? Dann entdeckte sie einen kleinen Glastisch in der Mitte des Raumes. Darauf lag ein winziger Goldschlüssel. Neugierig nahm Alice ihn und probierte ihn an allen Türen aus. Aber der Schlüssel war viel zu klein für die großen Schlösser. Nur an einer winzigen Tür, die sie vorher kaum bemerkt hatte, passte der Schlüssel perfekt! Alice freute sich riesig, doch als sie hindurchschauen wollte, merkte sie: Sie war viel zu groß! Sie konnte nur einen kleinen Blick in einen wunderschönen Garten werfen. Ach, wie gerne wäre sie in diesen Garten gegangen! Da sah Alice plötzlich ein kleines Fläschchen auf dem Tisch stehen. Darauf stand in hübschen Buchstaben: „TRINK MICH!“ Alice war vorsichtig, aber da keine Warnung dabei stand, nippte sie ein kleines bisschen. Es schmeckte nach Kirschtorte, Sahne und heißem Toast zugleich! Und ehe sie es wusste, wurde sie kleiner und kleiner und kleiner, bis sie nur noch so groß war wie eine Puppe! "Juhu!", rief sie, "Jetzt passe ich durch die Tür!" Doch als sie zur Tür rannte, bemerkte sie, dass sie den winzigen Goldschlüssel auf dem Tisch vergessen hatte. Und der Tisch war jetzt riesig, viel zu hoch für sie! Was sollte sie nur tun? Da sah sie unter dem Tisch einen kleinen Kuchen. Darauf stand mit Rosinen geschrieben: „ISS MICH!“ Alice zögerte nicht lange. Vielleicht würde ihr dieser Kuchen ja helfen.
Die Tierversammlung und die Raupe
Alice biss in den kleinen Kuchen. Oh, meine Güte! Sie wuchs und wuchs! Ihr Kopf stieß schon bald mit einem leisen „Plopp!“ an die Decke! „Oh je“, dachte Alice, „ich bin wieder viel zu groß!“ Ihre Traurigkeit war so groß, dass Tränen aus ihren Augen schossen und einen riesigen See bildeten, der den ganzen Flur füllte! Plötzlich sah Alice kleine Wellen auf dem Tränensee. „Wer ist denn da?“, fragte sie sich. Es waren viele Tiere, die ebenfalls in ihren Tränen schwammen: eine Maus, ein Dodo, ein Papagei und ein kleines Adlerjunges. Sie alle waren nass und verfroren. Der Dodo, der sehr wichtig aussah, schlug vor: „Wir müssen uns trocknen! Und der beste Weg dazu ist ein Kaukus-Rennen!“ Alice fragte leise: „Was ist das?“ Der Dodo erklärte, jeder sollte rennen, wohin er wollte, so lange er wollte. Am Ende hatte jeder gewonnen und bekam einen Preis. Die Tiere rannten kreuz und quer, bis sie trocken waren. Als Preis verteilte der Dodo Fingerhüte an die Tiere und einen Bonbon an Alice. Nach dem Rennen waren alle müde, aber trocken. Alice versuchte, sich bei der Maus zu entschuldigen: „Liebe Maus, es tut mir leid, dass ich dich so nass gemacht habe. Meine Katze Dinah würde dich sicher mögen!“ Das war keine gute Idee! Als Alice von ihrer Katze Dinah erzählte, die so gut Mäuse fangen kann, da wurde die Maus wütend! Sie quiekte laut und rannte weg. Alice war traurig, dass sie die Maus verärgert hatte. Alice spazierte weiter, wieder ganz allein und immer noch zu groß. Plötzlich sah sie einen riesigen Pilz. Oben auf dem Pilz saß eine große, dicke Raupe und rauchte gemütlich eine Wasserpfeife. Sie sah Alice überhaupt nicht an, blies nur große Rauchringe in die Luft. Endlich sprach die Raupe. „Wer... bist... du?“ fragte sie sehr langsam. Alice seufzte. „Ich weiß es selbst nicht so genau, Herr Raupe. Ich war heute Morgen noch ganz anders! Ich habe meine Größe schon so oft geändert, dass ich nicht mehr weiß, wer ich bin!“ Die Raupe war nicht sehr verständnisvoll. „Erklär dich genauer!“, sagte sie. Alice murmelte: „Ich wünschte, ich wäre wieder so groß, wie ich es früher war!“ Die Raupe nahm noch einen Zug von ihrer Wasserpfeife, und sagte dann mit tiefer Stimme: „Eine Seite lässt dich wachsen, die andere schrumpfen.“ Und mit diesen Worten kroch sie vom Pilz und verschwand langsam im Gras. Alice schaute den Pilz an. Welche Seite war wohl welche? Sie brach ein kleines Stück von der rechten Seite ab und biss hinein. Schwupps! Sie schrumpfte! Ihr Kinn stieß sofort an ihren Fuß! „Das ist also die Schrumpfseite!“, dachte sie. Schnell biss sie von der linken Seite. Und siehe da! Sie wuchs wieder! Alice lernte schnell, ihre Größe mit den Pilzstücken zu kontrollieren. Sie war so froh, endlich einen Weg gefunden zu haben! Nachdem sie ein paar Mal gewachsen und geschrumpft war, hatte Alice die perfekte Größe gefunden, um weiter durch dieses wundersame Land zu gehen. Sie steckte die restlichen Pilzstücke vorsichtig in ihre Tasche. Man weiß ja nie, wann man sie noch einmal brauchen würde, oder? Und so machte sich Alice auf den Weg zu neuen Abenteuern.
Das verrückte Teekränzchen
Alice wanderte weiter durch den Wald. Überall gab es seltsame Geräusche, raschelnde Blätter, die wie Flüstern klangen, und Blumen, die in den buntesten Farben leuchteten. Sie hatte das Gefühl, dass hinter jedem Baum ein neues Geheimnis auf sie wartete. Plötzlich, als sie um eine besonders dicke Eiche bog, sah sie etwas ganz Ungewöhnliches. Mitten auf einer großen Wiese stand ein langer Tisch. Er war über und über mit Tassen, Tellern, Teekannen und Kuchenstücken beladen. Aber das Verrückteste war nicht der Tisch. Es waren die Gäste! An diesem Tisch saßen drei sehr eigenartige Gestalten. Da war der Märzhase, mit riesigen Ohren und einem noch riesigeren Grinsen. Neben ihm saß der Hutmacher, dessen Hut so groß war, dass er kaum unter den Ästen eines Baumes passte. Und zwischen ihnen, auf einem Stuhl, der eigentlich viel zu groß für ihn war, schlief ein kleiner Siebenschläfer. Sie saßen alle zusammen an einer Ecke des langen Tisches, obwohl der Rest des Tisches völlig leer war. „Kein Platz! Kein Platz!“, riefen der Märzhase und der Hutmacher, als sie Alice sahen. Alice war etwas verwirrt. „Aber hier ist doch noch so viel Platz!“, sagte sie. Und wirklich, der Tisch war lang und leer, bis auf die eine kleine Ecke. Der Hutmacher trug eine lustige, große Schleife um den Hals und sah Alice mit großen Augen an. „Es ist immer Teezeit!“, erklärte er dann. „Seitdem ich mit der Zeit gestritten habe, ist es immer sechs Uhr nachmittags!“ „Ist es denn wirklich immer Teezeit?“, fragte Alice. „Ja, genau!“, rief der Märzhase und schob ihr eine Tasse zu. „Möchtest du ein bisschen Wein?“ Alice sah auf die Tasse. „Ich sehe gar keinen Wein“, sagte sie. „Dann gibt es auch keinen“, kicherte der Märzhase. Alice seufzte. Das war aber ein komisches Teekränzchen! Der Hutmacher lehnte sich vor. „Ich habe ein Rätsel für dich, Alice!“, sagte er. „Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?“ Alice dachte angestrengt nach. „Ich glaube, ich weiß es nicht“, gab sie schließlich zu. „Ich auch nicht!“, rief der Hutmacher lachend. Der Märzhase kicherte ebenfalls. Der kleine Siebenschläfer, der die ganze Zeit geschlafen hatte, rutschte plötzlich von seinem Stuhl. Der Hutmacher und der Märzhase hoben ihn vorsichtig hoch und drückten ihn in eine Teekanne. „Erzähl uns eine Geschichte!“, rief der Hutmacher zum Siebenschläfer hinunter. Der Siebenschläfer murmelte nur etwas von drei kleinen Schwestern, die in einem Honigbrunnen lebten und immer mehr Honig aßen. Alice konnte ihm kaum folgen. „Aber warum sind die Mädchen denn in einem Honigbrunnen?“, fragte Alice. „Das ist eine sehr dumme Frage!“, rief der Märzhase empört. „Honigbrunnen gibt es doch gar nicht!“, fügte der Hutmacher hinzu. Alice verstand überhaupt nichts mehr. Sie versuchte, ein Stück Kuchen zu nehmen, aber der Märzhase schnappte es ihr weg. „Das ist nicht nett!“, sagte Alice. „Deine Haare brauchen einen Schnitt“, sagte der Hutmacher. Alice versuchte es noch einmal. „Warum sitzt ihr alle so dicht beieinander, wenn der Tisch doch so groß ist?“, fragte sie. Der Hutmacher seufzte. „Weil es immer Teezeit ist, sagte ich doch! Wir haben keine Zeit, den Tisch aufzuräumen.“ Der Siebenschläfer, der wieder eingeschlafen war, wurde nun von den beiden anderen als Kissen benutzt. Alice fand das gar nicht lustig. Sie stellte fest, dass die Gespräche immer wieder im Kreis gingen und keinen Sinn ergaben. „Das ist das verrückteste Teekränzchen, das ich je erlebt habe“, dachte Alice. Sie versuchte, ein weiteres Rätsel zu lösen, aber der Hutmacher und der Märzhase wechselten ständig das Thema und redeten völligen Unsinn. Einer fragte, ob der andere Butter in seine Uhr gesteckt hatte, damit sie wieder richtig läuft. „Das macht man doch nicht!“, sagte Alice entsetzt. „Man sollte die Uhr nicht mit Butter schmieren!“ Der Hutmacher sah sie mit ernster Miene an. „Wenn du die Zeit kennst, dann weißt du auch, dass die Butter die beste Medizin für eine Uhr ist.“ Alice schüttelte den Kopf. Es war hoffnungslos. Sie hatte versucht, höflich zu sein, aber diese Party war einfach zu verrückt für sie. Die ganze Zeit wurde sie mit unsinnigen Antworten und seltsamen Bemerkungen überhäuft. Sie fühlte sich nicht verstanden und ein bisschen geärgert. Sie stand langsam auf. „Ich glaube, ich gehe jetzt“, sagte sie. „Diese Party ist viel zu verrückt für mich!“ Der Märzhase und der Hutmacher bemerkten es kaum. Sie versuchten gerade, den schlafenden Siebenschläfer in eine Zuckerdose zu stopfen. Alice drehte sich um und ging. Sie dachte, sie hätte noch nie in ihrem Leben so viel Unsinn gehört. Aber eines wusste sie: dieses Wunderland hielt immer neue Überraschungen für sie bereit. Und mit diesem Gedanken wanderte sie tiefer in den Wald hinein, gespannt, was sie wohl als Nächstes finden würde.
Das Haus der Herzogin und das Baby
Alice wanderte tiefer und tiefer in den geheimnisvollen Wald hinein. Überall raschelte es in den Büschen, und bunte Vögel sangen unbekannte Melodien. Sie fragte sich, was für lustige Überraschungen dieses Wunderland noch für sie bereithalten würde. Und dann, zwischen hohen Bäumen, sah sie es: Ein kleines, gemütliches Haus, aus dessen Schornstein dicker Rauch stieg. Doch das war nicht das Seltsamste daran. Vor der Tür standen zwei Diener, die aussahen, als wären sie direkt aus einem Märchenbuch gesprungen! Der eine hatte ein Gesicht wie ein Fisch, der andere wie ein Frosch. Beide trugen wunderschöne, aufwendige Uniformen. Ein Fisch-Diener und ein Frosch-Diener! Das hatte Alice wirklich noch nie gesehen. Der Fisch-Diener klopfte mit dem Kopf an die Tür, als wäre er eine Klopferkugel. „An die Herzogin“, sagte er feierlich zum Frosch-Diener, „von der Königin. Eine Einladung zum Krocketspiel.“ Der Frosch-Diener nahm die Einladung entgegen und wiederholte die Worte mit einer sehr ernsten Miene. Alice wartete einen Moment, doch nichts geschah. Die Diener schienen einfach nur da zu stehen und sich anzustarren. Alice fasste sich ein Herz und klopfte selbst an die Tür. Aber niemand öffnete. Sie drückte die Klinke und die Tür schwang auf. Ein dicker Rauch quoll ihr entgegen, und der Geruch von... Pfeffer! Ja, es roch stark nach Pfeffer! Alice musste ein paar Mal niesen. „Hatschi!“ Sie blinzelte durch den Rauch und sah sich um. Was für ein Durcheinander! Eine Köchin warf Töpfe und Pfannen durch den Raum, als wäre es das lustigste Spiel der Welt. Überall flog Besteck. Und mitten in diesem Chaos saß eine Herzogin auf einem Stuhl, die ein Baby auf dem Schoß hielt. Das Baby nieste und schrie, und die Herzogin sang ihm ein seltsames Schlaflied vor. „Quetsch und Quetsch und Quetsch“, sang sie, „und hau auf den Kleinen, dann wird er schon fromm und rein!“ Was für ein merkwürdiges Lied für ein Baby! Und die Köchin warf immer mehr Pfeffer in einen riesigen Suppentopf, sodass Alice wieder niesen musste. Das Baby nieste auch ununterbrochen und krümmte sich vor lauter Pfeffer in der Luft. Alice konnte das nicht mit ansehen. „Bitte“, sagte sie zur Herzogin, „könnten Sie nicht etwas weniger Pfeffer benutzen? Das Baby muss doch schrecklich leiden!“ Die Herzogin sah Alice nur an und grinste. „Jeder hat ein Recht auf Pfeffer“, sagte sie. „Und wer zu viel Pfeffer hat, ist ein Baby.“ Plötzlich erschien die Grinsekatze auf dem Kaminsims. Nur ihr breites Lächeln war zuerst zu sehen, dann der Rest ihres Körpers. Sie saß da und beobachtete alles mit einem amüsierten Blick. „Du hast keine Ahnung von Babys“, maulte die Herzogin. „Alle Babys weinen. Das ist so.“ Alice schüttelte den Kopf. Sie mochte das Baby nicht leiden sehen. Sie beschloss, etwas zu tun. „Ich nehme das Baby mit nach draußen“, sagte sie zur Herzogin. „Es braucht frische Luft.“ Ehe die Herzogin etwas sagen konnte, nahm Alice das winzige Bündel aus ihren Armen und ging schnell hinaus. Sobald sie draußen waren, atmete Alice auf. Die frische Luft tat gut! Doch das Baby in ihren Armen war immer noch sehr unruhig. Es strampelte und grunzte, und es sah sie mit kleinen, stechenden Äuglein an. „Du armes kleines Ding“, sagte Alice, „du hast bestimmt Angst.“ Aber als sie genauer hinsah, merkte Alice, dass das Baby gar nicht mehr wie ein Baby aussah. Sein Näschen wurde immer länger und spitzer. Seine Öhrchen wurden zu kleinen Schweineöhrchen. Und es grunzte immer lauter! Ehe Alice wusste, wie ihr geschah, hatte sich das Baby komplett in ein kleines, rosa Ferkel verwandelt! Es war ein süßes kleines Schwein, das immer noch in ihren Armen strampelte. Alice war zuerst sehr überrascht. Ein Baby, das sich in ein Schwein verwandelt? Das war ja noch verrückter als alles andere im Wunderland! Aber dann dachte sie nach. „Vielleicht“, überlegte sie, „ist es als Schwein doch glücklicher als als weinendes Baby. Ein Baby, das nur schreit und niest, ist eine große Herausforderung. Aber ein süßes Ferkel…“ Sie setzte das kleine Schwein vorsichtig auf den Boden. Es grunzte noch einmal fröhlich, wedelte mit dem Schwänzchen und rannte dann schnell in den Wald davon. Alice sah ihm nach und lächelte. Das war eine sehr unerwartete Wendung! Sie fragte sich, was wohl als Nächstes passieren würde. Die Grinsekatze war ja auch noch da. Vielleicht würde sie ja wieder auftauchen und ihr den Weg zeigen?
Die Grinsekatze und das Krocketspiel der Herzkönigin
Alice sah sich um. Sie war allein, aber die Luft schien noch vom Geruch des Pfeffers erfüllt zu sein. Sie atmete tief ein und aus. Würde die Grinsekatze wirklich wiederkommen? Und ob sie das tat! Langsam erschien, zuerst das Grinsen, dann der Rest des Kopfes, die lustige Grinsekatze auf einem Ast über ihr. "Guten Tag", sagte die Katze mit ihrer ruhigen Stimme. "Wie geht es dir?" "Ich wusste nicht, dass du wieder da sein würdest!", rief Alice. "Ich habe mich gefragt, wohin ich als Nächstes gehen soll." Die Grinsekatze grinste noch breiter. "Das hängt sehr davon ab, wohin du gehen möchtest." "Ich habe keine Ahnung", sagte Alice. "Dann spielt es auch keine Rolle, welchen Weg du nimmst", meinte die Katze. "Solange ich irgendwo ankomme", fügte Alice hinzu. "Oh, das wirst du ganz bestimmt", sagte die Grinsekatze, "wenn du nur lange genug gehst." Alice überlegte. "Ich möchte gern die Herzogin sehen." "Sie ist im Gefängnis", antwortete die Katze. "Oh", sagte Alice. "Aber ich würde gerne die Königin treffen." "Sie spielt Krocket", sagte die Grinsekatze. "Du kannst dort hingehen, wenn du möchtest. Sie ist in diesem Garten dort." Und mit einem letzten, großen Grinsen verschwand die Katze, nur ihr Lächeln blieb noch für einen Moment in der Luft hängen, bevor auch das verblasste. Alice schüttelte den Kopf. Diese Grinsekatze war wirklich seltsam! Sie folgte dem Rat und ging durch eine Hecke. Und was für ein Garten das war! Überall wuchsen bunte Rosen, aber die Gärtner, drei Spielkartenmänner mit Herzmustern auf dem Rücken, waren gerade dabei, weiße Rosen rot anzumalen! "Was macht ihr denn da?", fragte Alice. Einer der Kartenmänner, die Zwei der Herzen, sagte: "Wir haben aus Versehen weiße Rosen gepflanzt, Hoheit. Aber die Königin liebt nur rote Rosen. Wenn sie das herausfindet, lässt sie uns den Kopf abschlagen!" Gerade als er das sagte, hörte man Trompeten! Eine ganze Prozession kam auf sie zu! Zuerst zehn Soldaten, die wie Spielkarten aussahen, dann zehn Höflinge, die aussahen wie die Kreuz-Buben, danach die Königlichen Kinder, und schließlich, die Königin der Herzen selbst! Neben ihr schritt der König der Herzen. Die Königin hatte ein strenges Gesicht und funkelnde Augen. Als sie die Rosen sah, die noch nicht ganz rot waren, schrie sie: "Kopf ab! Sofort!" Alice war. Sie stellte sich vor die armen Gärtner. "Das ist gemein!" Die Königin drehte sich zu Alice um, ihre Augen glühten. "Wer bist du?" Alice sagte mutig: "Ich bin Alice." Die Königin ignorierte sie und befahl den Soldaten, die Gärtner wegzuschleppen. Dann sagte sie: "Komm mit uns Krocket spielen!" Alice dachte, es wäre vielleicht am besten, mitzuspielen, um nicht auch ihren Kopf zu verlieren. Das Krocketfeld war das seltsamste, das Alice je gesehen hatte. Es war voller Hügel und Furchen, die Bälle waren lebendige Igel, und die Schläger waren lebendige Flamingos! Die Spielkarten-Soldaten hatten sich gebückt und bildeten Torbögen. "Das wird ja interessant", dachte Alice. Das Spiel begann, aber es war das chaotischste Spiel, das man sich vorstellen kann. Jeder spielte gleichzeitig. Die Flamingos streckten ihre Hälse in die Luft, wenn man sie benutzen wollte, oder schauten Alice mit ihren kleinen Augen an. Die Igel rollten weg oder krabbelten davon, wenn man sie treffen wollte. Und die Karten-Torbögen standen nicht still, sondern bewegten sich ständig. Die Königin schrie die ganze Zeit: "Kopf ab! Kopf ab!" Egal, wer einen Fehler machte, egal ob es ihre eigenen Spieler oder die Gegner waren. Bald waren mehr Spieler am Boden und wurden von den Soldaten weggetragen, als noch spielten. Alice versuchte, ihren Flamingo dazu zu bringen, den Igel zu treffen, aber es war unmöglich. Der Flamingo verdrehte sich, der Igel rollte weg, und die anderen Spieler rannten kreuz und quer. "Das ist das verrückteste Spiel, das ich je gesehen habe!", murmelte Alice. Plötzlich sah Alice wieder das Grinsen. Die Grinsekatze saß auf einem Baum und sah dem Spiel zu. "Wie gefällt es dir?", fragte die Katze. "Mir gefällt es überhaupt nicht", sagte Alice. "Es ist so chaotisch! Niemand hält sich an die Regeln, und die Königin will ständig Köpfe abschlagen!" "Sie hat ihre eigene Art zu spielen", sagte die Grinsekatze. "Jeder hier spielt nach seinen eigenen Regeln." Gerade in diesem Moment kam der König der Herzen auf die Grinsekatze zu. "Was ist das für ein grinsendes Ding?", fragte er die Königin. Die Königin sah auf. "Es ist die Grinsekatze, Hoheit. Und sie redet nicht mit mir!" "Einen Kopf ohne Körper kann man nicht enthaupten", sagte die Grinsekatze. Die Königin wurde knallrot. "Ich sage, schneidet ihm den Kopf ab! Findet einen Weg!" Der König und die Königin begannen zu streiten, während die Grinsekatze nur weitergrinste. Alice wusste nicht mehr, was sie tun sollte. Das ganze Wunderland schien verrückt zu sein, und dieses Krocketspiel war das Verrückteste von allem! Sie fragte sich, ob es überhaupt jemals enden würde. Und was würde dann passieren? Sie wusste nur, dass sie jetzt mitten in diesem wilden Spiel war und versuchen musste, nicht den Kopf zu verlieren. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Prozess gegen den Herzbuben
Gerade als Alice dachte, das Krocketspiel könnte nicht verrückter werden, hörte sie ein ohrenbetäubendes Trompeten! Tatatatataaa! Alle hielten inne, als das weiße Kaninchen mit ernster Miene eine Schriftrolle entrollte. „Ein königlicher Erlass!“, rief es. „Alle Anwesenden begeben sich unverzüglich in den Gerichtssaal! Der Prozess beginnt!“ Wie von Zauberhand löste sich die Gesellschaft auf. Alice, noch verwirrt, fragte sich: Ein Prozess? Und wie hatte man die Königin vom Spiel weggelockt? Sie fand sich in einem großen, schiefen Saal mit viel Gold und Samt wieder. Auf einem viel zu großen Thron saß der König der Herzen, eine riesige Krone über den Augen, sehr ernst. Daneben thronte die Herzkönigin, ihr rot angelaufenes Gesicht noch strenger als sonst – bereit, „Köpft ihn!“ zu rufen. Das weiße Kaninchen, adrett in Uniform, rief feierlich: „Hohes Gericht, die Sitzung ist eröffnet! Der Angeklagte, der Herzbube, möge vortreten!“ Da stand er, blass und verängstigt, seine Hände mit Ketten gefesselt. Alice spürte Mitleid. Das weiße Kaninchen verlas die Anklage: „Der Herzbube wird angeklagt, die königlichen Törtchen gestohlen zu haben! Die Törtchen, gebacken von der Königin selbst, mit Erdbeerfüllung und Zuckerguss!“ Die Königin schnaubte wütend. „Meine Törtchen! Er hat sie gestohlen, der Schurke!“ Alice musste schmunzeln. Törtchenklau! Das klang für sie nicht nach einem echten Verbrechen. Dann wurde die Jury vorgestellt: zwölf ganz verschiedene Tiere, die keines verstanden, aber wichtig taten. Der König rief: „Der erste Zeuge möge vortreten!“ Es war der Hutmacher! Er kam mit seiner Teetasse und einem Butterbrot herein, noch verwirrter als sonst. Der König fragte streng: „Was wissen Sie über die gestohlenen Törtchen?“ Der Hutmacher schielte über seine Brille und sagte zitternd: „Törtchen? Ich weiß nur, dass heute Nachmittag Teestunde war. Die Uhr ist zwei Tage nachgegangen, und da gab es Senf auf dem Brot…“ Die Königin schrie: „Unsinn! Konzentrieren Sie sich auf die Törtchen! Haben Sie den Herzbuben damit gesehen?“ Der Hutmacher zitterte noch mehr. „Ich… ich hatte nur Tee und Butterbrot. Und die Zeit, die Zeit…“ Das Gericht wurde immer chaotischer. Der König wurde genervter, die Königin stampfte wütend mit dem Fuß. Stampf! Stampf! Währenddessen spürte Alice wieder ein merkwürdiges Kribbeln. Sie wurde größer! Ja, sie wuchs und wuchs, der Saal wurde kleiner um sie herum. Ihr Kopf stieß fast an die Decke. Der König rief verärgert: „Sie da! Hören Sie auf zu wachsen! Das ist nicht königlich!“ Alice antwortete mutig: „Ich kann nichts dafür! Und dieser Prozess ist doch Unsinn! Es gibt keine Beweise gegen den armen Herzbuben!“ Gerade als der König den Herzbuben für schuldig erklären wollte, rief das weiße Kaninchen laut: „Der nächste Zeuge ist… Alice!“ Alice war völlig überrascht! „Ich? Aber ich weiß doch gar nichts über die Törtchen!“ Der König rief: „Egal! Treten Sie vor und sagen Sie, was Sie wissen! Oder was Sie nicht wissen!“ Alice stand auf, so riesig, dass sie fast das ganze Gebäude zum Einsturz brachte. Sie stolperte, und KLAPPER-DI-KLAPP! Die Jury-Box kippte um. Alle zwölf Jury-Tiere purzelten durcheinander. „Oh, Entschuldigung! Das wollte ich nicht!“ Der König fragte: „Was wissen Sie über die Törtchen?“ Alice sagte: „Ich weiß wirklich nichts. Ich habe die Törtchen nicht gestohlen und den Herzbuben auch nicht dabei gesehen.“ Der König nickte wichtig und sagte dann: „Sehr gut! Wenn Sie nichts wissen, dann muss er schuldig sein! Nach Regel Nummer Vierundvierzig!“ Alice konnte es nicht fassen. „Wie bitte? Das ist doch Unsinn! Die Regel haben Sie doch gerade erst erfunden!“ Die Königin brüllte: „Stimmt! Das ist ja unverschämt! Köpft sie! Köpft alle, die nicht schweigen!“ Alice lachte nur noch. „Unsinn! Ihr seid doch nur ein Kartenspiel! Ich habe keine Angst vor euch!“ In diesem Moment sprang die ganze Herde von Spielkarten auf Alice zu. Sie flogen wie ein Schwarm bunter Blätter auf sie herab, raschelnd und flatternd! Sie versuchte, sie wegzuschlagen, aber es waren so viele! Sie spürte kleine, spitze Stiche überall, und dann…...öffnete Alice die Augen. Sie lag auf der Wiese, mit dem Kopf auf dem Schoß ihrer Schwester. Die Schwester schüttelte sanft Blätter von ihrem Gesicht. „Wach auf, Alice, du hast ja geschlafen!“, sagte ihre Schwester mit einem Lächeln. Alice rieb sich die Augen und schaute sich um. Keine Herzkönigin, kein Hutmacher, keine sprechenden Kaninchen. Nur die warme Sonne und das sanfte Rascheln der Blätter. War alles nur ein Traum gewesen? Ja, es musste ein Traum gewesen sein! Ein ganz, ganz verrückter Traum! Aber er fühlte sich so echt an! Alice lächelte. Es war der aufregendste Traum, den sie je gehabt hatte. Und sie würde ihn niemals vergessen.
Abschluss
So endet unsere Reise mit Alice für heute. Es war so schön, dich auf diesem Abenteuer dabei zu haben! Wir hoffen, du hattest ganz viel Spaß und lässt deiner eigenen Fantasie freien Lauf. Vielleicht denkst du dir jetzt selbst tolle, neue Abenteuer aus? Erzähl uns gern bei Sonacasts, was dir gefallen hat oder welche Geschichten du dir als Nächstes wünschst. Tausend Dank, dass du zugehört hast. Bis zum nächsten Mal!






